Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112432--1899-3112610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 Schaft in das Leben und umgekehrt als gefährliche Operationen; sie fürchteten, nicht mit Unrecht, in jedem jugendlichen Geiste gleichsam einen geheimen Zündspiegel des revolutionären Enthusiasmus, der, von jenen Strahlen unvorsichtig berührt, sofort zu einem flammenden Ausbruch kommen könnte. Ich erinnere mich nicht, daß Homeyer jemals, wie es beispielsweise Mittermeier*) in Heidelberg bei keiner Gelegenheit unterließ, einer Reform des Privatrechts aus den wiedereröffneten echt germanischen Quellen, im nationalen Sinne gegenüber der romanistifchen Verknöcherung so vieler unserer ursprünglich einheimischer Rechtsinstitute auch nur andeutend das Wort redete. Freilich war Mittermeier ein politischer Mann im guten Sinne des Worts, und ein streitfertiger Liberaler obendrein, während bei Homeyer und Seinesgleichen neben dem abstrakten wissenschaftlichen Interesse an seinem Stoffe kein Gedanke an die Bedürfnisse des Lebens und der nationalen Kultur aufkommen durfte. In dieser Hinsicht machte der konservativste unter den konservativen Professoren der Berliner Hochschule eine eigentümliche Ausnahme. Ich meine den Staats- und Kirchenrechtslehrer Prof. Stahl**), jenen Mann, den auch seine erbitterten Gegner als eine geistige und wissenschaftliche Kapazität ersten Ranges anerkennen mußten, der in unsrer spätem parlamentarischen Geschichte die Führerschaft der reaktionären Partei des Landtags unter dem Regime Manteuffel übernahm und Jahre lang in dem Kampfe zur Nullifizierung der im Sturm von 1848 eroberten Verfassungsrechte der Nation, die Rolle des Generalstabschefs im Lager der Reaktion spielte. Stahl war nach dem Regierungsantritte Friedrich Wilhelms IV. neben Schilling berufen, um die Rechtsphilosophie auf der Grundlage christlichen Offenbarungsglaubens gegen die destruktiven Ideen des Hegeltums zu regenerieren, nnd im Staats- und Kirchenrecht den *) Geboren 5. August 1787 in München, starb 28. August 1867 in Heidelberg. Vgl. ADV 22, S. 25 ff. **) Geboren als Jude in München am 16. Januar 1802, wurde er 1819 in Erlangen evangelisch. 1840 wurde er nach Berlin berufen und starb 10. August 1861 im Bade Brückenau. Vgl. über ihn ADV 35, 392 ff.