Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
Date
1904-01-01
Page
Seite 142 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3111067-3111080-3112432--1875-3112586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 mit den Symbolzeichen von „Menschenrecht, Freiheit, Gleichheit" geschmückt, die im hohen Schwünge seiner rednerischen Kraft mit blendendem Farbenglanz Freunde und Feinde mit sich fortreißend, durch die Lüste flatterte, diese verwirrend, jene mit der begeisterten Zuversicht erfüllend: in Irov signo vinces! Uns war das minder schöne Los zugefallen, aus halbverrostetem Material des positiven Rechts nüchterne Kugeln zu gießen und dem Gegner aufs Dach zu streuen. Man war zu der Ueberzeugung gekommen, daß mit den herrlichsten Ideen des Humanismus und der Sozialpolitik der treue bureaukratisch-feudale Haushund, der den christlichen Staat bewachte und uns die Pforten desselben versperrte, sich nicht von seinem Posten weglocken lassen werde. Man mußte ihn an seinem gewohnten Brocken von alten Gesetzen, Reglements und Reskripten erwürgen lassen. In Preußen hatte eben (1843) Heinrich Simon im Verein mit Ludwig v. Rönne sein berühmt gewordenes Bnch „Ueber die Verhältnisse der Juden" erscheinen lassen, und darin, mit bewundernswerter Gründlichkeit, nach einem konsequenten durch und durch fteisinnigen, vom Geiste richterlicher Unparteilichkeit durchwehten Plane, den wirren trostlosen Wust der preußischen Gesetzgebung vom Mittelalter, durch das Zopf- und Gendarmeriezeitalter hindurch bis ausFriedrichWilhelmIV. bloßgelegt, gesichtet und geordnet und seine unhaltbare Nichtigkeit an dem Probirstein eines der weisesten legislatorischen Akte aus der großen Stein-Hardenbergischen Epoche, nämlich des berühmten Edikts vom 11. März 1812, nachgewiesen. Hierdurch war ein freier breiter Boden für einen zweckbewußten, sichern Kampf um das nächste tägliche Rechtsbedürfnis, wie um weitere allgemeine Errungenschaften geebnet, wie man ihn vorher überhaupt nicht kannte. Die höhere politische Taktik war dabei, nach rechts und links mit den liberalen Parteien auf staatlichem und kirchlichem Gebiete Fühlung zu erlangen, deren Ansprüche auf Entwickelung verfassungsmäßiger Zustände, auf Einführung von Reichsständen, Assoziations-, Preß- und Religionsfreiheit sich ja ebenmäßig nur auf gesetzliche Verheißungen aus der altpreußischen freisinnigen Aufschwungsperiode vor den Freiheitskriegen stützten. Diese publizistische Tätigkeit verlangte eine genaue Bekannt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.