Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Ich verließ ihn in großer Unruhe und war in den frühesten Morgenstunden wieder dort. Er schlummerte. Zwei Tage nachher war er in die Ewigkeit hinübergeschlummert. 23. November. Heute haben wir Simon Eichelkatz zur letzten Ruhe gebettet. Nur wenige gaben ihm das Geleite. Aber an seinem Grabe stand einsam ein Mann. „Mich selber bringe ich meiner Liebe dar und meinen Nächsten gleich mir, sage den Schaffenden" — ein Nietzsche'sches Wort zog durch meine Seele, das ich den Erben jenes alten, ungelehrten, weisen Mannes, den wir soeben der Erde übergeben, hatte erklären hören. „Alle Schaffenden aber sind hart . . . also sprach Zarathustra." Und dort... Mit leiser aber vernehmlicher Stimme sprach der Einsame die hebräischen Worte nach, als er die Erde herabschüttete aus den Sarg. „Staub bist du, und zum Staube kehrst du wieder, aber der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben!" Dann richtete er sich hoch empor, sein Blick hing an dem sich austhürmenden Grabhügel. Friedrich Eichner!