Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Simon Eichelkatz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hiwon MchMch. Aus dem Tagebuch eines Arztes. Von Ulrich Krank. 9. September 1900. Heute wurde ich zu einem alten Mann gerufen, der auf dem Mehlmarkt wohnt, schräg über von der „neuen" Synagoge. Der Bote sagte mir, ich könne das Haus unmöglich verfehlen, denn die Treppe, die zur Wohnung hinaufführe, sei von außen angebracht. Die moderne Architektur der Stadt läßt das allerdings als eine Absonderlichkeit erscheinen. Ich weiß nicht, ob noch ein zweites Haus von so eigentümlicher Beschaffenheit vorhanden ist, wie dies am Mehlmarkt. Ich fand es, ohne viel darnach zu fragen. Die „neue Synagoge" war mir überdies bekannt .... allerdings, ich war noch nicht drinn gewesen . . . aber ein leiser, geheimer Zug von Pietät beschleicht mich jedes Mal wenn ich vorüberkomme und das geschieht recht häufig. Das Gotteshaus liegt auf dem Wege nach den großen Ansiedelungen, die einer der dortigen Großindustriellen für seine Arbeiter errichtet hat. Dorthin führt mein Beruf mich öfter. Und die Synagoge? Mit aus Verehrung und Scheu gemischten Gefühlen, sehe ich immer zu dem schmucklosen Tempel hin. Die Tradition halte ich hoch, man gehört nicht umsonst als Urenkel einem frommen Geschlecht an, in dem Gelehrsamkeit und „Jiches" zu Hause war ... wie komme ich nur auf das hebräische Wort? Die Synagoge hält fest, was zu ihr gehört . . . auch mich!