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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1903-01-01
Page
Seite 153 (sequence 34)
Language
German
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153 92. Fast schäme ich mich Ihnen zu schreiben. Acht Monate liegen Ihre Briefe bei mir, und ich bleibe stumm: Aber glauben Sie mir, daß ich dennoch schuldlos bin; Sie sind nicht der Einzige, noch eine Fluth von Briefen sind angelangt, die bis heute keine Antwort erhalten haben: ich bin zu elend, um eine regelrechte Correspondenz führen zu können. Wohnten Sie noch hier statt in Pest und kämen dann und wann zu dem שלומיאל: Irre iäj nicht, so habe ich Ihnen im Februar geschrieben, und bin auch noch den Dank schuldig für das mir gesandte Stück der Göttinger gel. Anzeigen 1). Uebrigens kann Niemand mehr eine Freude an meinen Briefen finden. Grüßen Sie Ihre Frau Gemahlin von mir; meine Nichte grüßt Sie und Madame, und ich zu nichts mehr Taugender, schließe diesen Wisch und wünsche, daß ich Sie bald einmal sehe, achtungsvoll Berlin, 25. Mai 1883. Zunz. 93. Acht Seiten und darüber haben Sie mir geschrieben und ich Undankbarer sende Ihnen keine Zeile; leider bin ich jetzt zu nichts mehr tauglich, ein Briefchen wird mir sauer, und da ich Tag und Nacht — wenn ich wache — mit meinem elenden Körper zu thun habe — die Seele ist längst nichts mehr werth — so hat meinerseits Lesen und Schreiben bereits ganz aufgehört. Sehr danken muß ich Ihnen für Ihre liebreichen Briefe; elend und alt und ohne zwölf Söhne kann ich kaum noch ein Briefchen senden: Im neunzigsten Jahre, nicht mehr gesund, keine Stütze an Kindern 2c., ist von mir nichts mehr zu fordern. Der Todesengel ist vermuthlich krank, da er mich nicht besucht. Behalten Sie mich in gutem Andenken. Stets der alte Freund Berlin, 7. Januar 1884. Zunz. 94. Ich habe gar nichts Interessantes zu schreiben, denn daß ich fortwährend körperlich leide, ist keine erwünschte Meldung. Sind Sie ein Menschenfreund, was ich voraussetze, so schreiben Sie einem alten Misanthropen, auch wenn er wenig oder nichts schreibt und lassen Sie mich nicht zu lange auf Ihre verbindlichen Zeilen warten, zumal ich noch in diesem Jahre das neunzigste Jahr 1) Brann a. a. O. Nr. 130.

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