Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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152 90. Betrachte ich die vier Seiten Ihres Briefes, so werde ich, wenn ich an die Beantwortung gehe, traurig, denn ich Lin im Briefschreiben ein wahrer Bettler, so arm ist mein jetziges Leben an Briefstoff. Nun ist die neuere Geschichte, die deutsche, sicher gleichfalls arm, und bis sie wieder reich wird, bin ich längst begraben. Jedenfalls lassen Sie sich durch mein Schweigen und wenig Reden nicht zur Vergeltung bewegen: ein Brief von Ihnen ist wir immer lieb, schon um seines reichen Inhaltes wegen. Daß bei dem Fortleben der mohammedanischen und der stavischen Barbarei der Messias nicht dreinschlägt, wundert mich; wie es scheint, ist auch er gealtert. Ich hoffe aber dennoch, daß Sie noch die Erlösung, erleben werden. Ihre Frau Gemahlin grüße ich vielmals, auch soll ich namens meiner Nichte Sie und die Frau grüßen. Lassen Sie durch diesen mageren Brief sich nicht verleiten und antworten Sie mir bald mit fruchtbarer Schilderung aus Ihrem Leben und Thun. Stets der alte. Ihnen achtungsvoll ergebene Berlin, 27. Februar 1882. Zunz. 91. Beinahe schäme ich mich zu schreiben; 10 Seiten Ihrer Handschrift liegen vor mir; eine bedeutende Summe von Tagen ist dahingegangen und ich bleibe stumm gegenüber Ihren freundlichen Worten. Mein Vater ist der allmächtige Schöpfer und ich sein Sohn 1שלומיאל); warum letzterer noch lebt, da er nichts mehr nützt, weiß ich nicht; da ich aber sehr viel nickt weiß, namentlich nicht, warum ich krankes, unnützes Thier noch lebe, so ergebe ich mich dem Schicksalslauf. Ihr jüngster Brief, welchen ich am 6. d. M. erhalten, nimmt von mir vorläufig Abschied, deswegen eile ich heute. Sie mit meinen wenigen Zeilen zu bewegen, daß Sie Ihre Correspondenz mit mir nicht abbrechen, wenn ich auch seltener und wenig schreibe. Hoffentlich erbarmt der Todesengel bald sich meiner, der ich ihn längst erwartet hatte. Sie werden, bitte ich, mich bald wieder mit einem Briestein erfreuen. Ihrer lieben Frau bestellen Sie meinen Gruß; ihr und Ihnen sendet auch meine Nichte herzlichen Gruß. Stets der Ihrige alte Berlin, 19. Februar 1883. Zunz. 1) IV M. lf 6. Zuri Schaddai heißt etwa der ״allmächtige Schöpfer."