Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111078-3112170--1630-3112333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 noch meine Eltern besuchen will, wird unser Aufenthalt in Berlin nur sehr kurz sein können. Von der Kurzeit in Norderney habe ich nichts abziehen können, da die Erkältung meiner Frau, die sie bei der Ueberfahrt sich zugezogen, sie 14 Tage verhinderte, die Seebäder zu gebrauchen. Ich hoffe, daß die Vormittagsstunden immer noch die beste Besuchszeit bei Ihnen sein werden, wie sie es in den unvergeßlichen Wochen waren, die ich vor 5 Jahren in Ihrer Nähe verlebte. Da mir das Glück bevorsteht, Sie bald sprechen zu können, überhebe ich Sie der Mühe, Weiteres von mir zu lesen und grüße Sie mit meiner Frau als Ihr Sie innig verehrender David Kaufmann. Norderney (Kaiserstr. 6), 3. Aug. 1881. 88. Zunz an Kaufmann. Daß man zehn Wochen warten muß, ehe man auf zwei freundschaftliche Briefe von mir ein Lebenszeichen erhält, hat nicht allein in der Armuth meines jetzigen Lebens sondern auch in dem wenig guten Befinden und in der Kürze der Tage seinen Grund, da ich abends nicht schreibe. Gottlob, daß Ihre Augen besser geworden, daß schleunige Hilfe Ihnen geworden, und Sie mit erneuten Kräften arbeiten können. Da ich von mir nichts zu erzählen habe und an wissenschaftliche Thätigkeit bei mir nicht mehr zu denken ist, so sende ich statt dessen beifolgendes Blatt. Die Antisemiten werden, hoffe ich, vor dem Abschluß dieses Jahrhunderts vergessen seyn. Mit freundlichem Gruß an die Frau Gemahlin schließt dieses Brieflein stets der Ihnen achtungsvoll ergebene Berlin, 7. November 1681. Zunz. Gruß an Sie und die Frau Gemahlin von meiner Nichte. Auf dem anliegenden Blatt steht Folgendes: Am 8. September 1881 schreibt Professor Virchow in der Vossischen Zeitung (Nr.425) vom 13. September: Niemals früher ist in Deutschland mehr gelogen worden, niemals wurden die schlechten Leidenschaften so nachhaltig und so systematisch für Partheizwecke aufgerührt, niemals die Begierden der Massen durch so persönliche Anreize erregt und durch bte Vorspiegelung so unmöglicher Ziele gesteigert." Am 24. October 1881 sagt ein christlicher Geistlicher: ״Antisemitisch heißt antichristlich".