Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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139 zichtleisten auf Erfüllung der liebsten Wünsche besteht. Daß Sie als junger Mann schon über Nervenleiden klagen und Bäder aufsuchen sollen, thut mir leid. Ich meinerseits drucke nichts mehr; zur Revision meiner 30 Jahre alten mss. Arbeiten gebricht mir nicht bloß die Lust, sondern Kopf, Augen, Ohren, Leib. Ich kann weder meine Bibliothek noch meine Hefte, Aussätze, Collectanea, Briefschaften u. s. w. mehr benutzen. Wären Sie hier, würden Sie sich so davon überzeugen, daß Sie von allen Anforderungen zurücktreten würden. Die Reaction sammt רשעות*) gehen ebenso vorüber wie die Greuel des Mittelalters; die Juden leben länger als Adel und Pfaffenthum. Sorgen Sie für die Wiederherstellung Ihrer Gesundheit und schreiben Sie dann und wann ein Brieflein an den Ihnen achtungsvoll ergebenen Berlin, 26. Mai 1879. Zunz. Dank für das Ehrengedächtniß Luzzatto's* 2): 71. Kaufmann an Zunz. Am Rande die Notiz: erh. 1. Juni, beantw. 17. Juli. Bpest, 29. Mai 1879. Es war mir der süßeste Lohn, nach einer glücklich überstaudenen Festpredigt Ihrer theuren Zeilen gewürdigt worden zu sein. Ich bin ganz glücklich von Ihnen zu hören, wie wenig oder wie viel Sie wir auch mittheilen. Ich aber schreibe Ihnen am Abend des Festausganges, weil ich morgen früh für drei Tage nach Debreczin reise, um einen Bekannten zu besuchen und das Leben auf der ungarischen Pußta kennen zu lernen. Da ich die Landessprache mir bereits in hinreichendem Grade angeeignet habe, um mit dem Volke verkehren zu können, so glaube ich mir den rechten Genuß von diesem Ausfluge versprechen zu können. In erfreulichem Gegensatz zur deutschen Judenhetze kann ich Ihnen mittheilen, daß hier auf einmal drei jüngere, jüdische Gelehrte zu Akademikern ernannt wurden und ein Vierter einen akademischen Preis über die Geschichtsquellen der Arpadenzeit errang. Natürlich erweckt solch eine Massenbeförderung auch den Neid der Masse. Nach vielen Monaten habe ich endlich wieder einmal von Herzberg aus Jaffa Nachricht erhalten. Den Armen verfolgt sein Geschick anch im gelobten Lande. Er scheint sich mit dem leitenden Comits ג) Judenhaß. 2) Bezieht sich auf die bei Braun, a. a. O. Nr. 96 verzeichnete Besprechung.