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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 138

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1903-01-01
Page
Seite 138 (sequence 19)
Language
German
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138 schickte, ist Fragment geblieben, wie so Vieles, was Senior Sachs erwartungsvoll begonnen hat*). Er beschreibt die Günzburgsche Sammlung in Paris und dürfte vor 1865 gedruckt sein. Er gedenkt an zahlreichen Stellen Ihrer Schriften mit jener verständnißvollen Verehrung, die mir in ihren Aeußerungen so wohlthuend ist. Das ist dasselbe Fragment, nachdem Sie mich fragten, als Sie es in meiner Besprechung von Kohn's Bpester HSverzeichniß angeführt fanden. Seitdem habe ich mich vielfach bemüht, es für Sie zu erhalten, bis mir dies endlich nach beharrlichem Warten gelungen ist. Graetz hat sein Urtheil wohl längst zurückgenommen und im elften Bande gut zu machen gesucht^). Ich meine die Würdigung der Gottesdienstlichen Vorträge. Uebrigens widersprechen sich in Betreff Ihrer Schriften die Zeitgenossen, so viel ich weiß, gar nicht. Ist es wahr, daß wir nunmehr auch eine Sammlung Ihrer hebräischen Arbeiten erhalten sollen? Da sollten Sie der Welt manches Handschriftliche, das ich selbst bei Ihnen gesehen zu haben glaube, nicht länger mehr vorenthalten. Wenn ich nicht irre, sind es Biographien wie die de Rossis. Die Wolken des deutschen Rischeß fangen an sich auch über unser Land auszubreiten. Die Deputationen der Juden, die zum 25 jährigen Hochzeitsjubiläum b) angemeldet waren, sind nicht empfangen worden. Das verlogene Geschreis über den jüdischen Wucher macht sich auch hier vernehmbar. Man braucht nicht nach KuthaiZ5) zu gehen, um das erhebende Märchen vom Christenblut, das die Juden zu Ostern brauchen, in voller Geltung zu treffen. Und doch behaupten sie, daß die Zeiten der Judenverfolgungen vorüber seien? Man kann die Juden nicht ausrotten; daß man sie aber noch jagen kann, das scheint mir denn doch noch immer glaublich. Ich bitte Sie, mich bald mit reicheren Mittheilungen zu bedenken, sonst mahnt Sie ungestümer, Ihr Sie allezeit tief verehrender David Kaufmann. 70. Zunz an Kaufmann. Wenn Sie wir hundert Meilen näher wohnten, hätte ich Ihnen zu diesem Wochenfeste Genießbareres als meinen Brief gebracht: so müssen Sie schon mit meinem Schreiben sich begnügen, wie überhaupt das Leben, wenn man alt geworden, aus dem Ver- 1) Vgl. S. 137, Anm. 1. 2) 2. Aust., S. 450 ffg. 3) Allg. Ztg. d. Judenth. 1879, S. 279. 313. 4) Ztg. d. Judenth. 1879, S. 215. 355. 5) Daselbst S. 216. 232. 241. 247. 277. 281.

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