Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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126 sckreibung Ihres Pariser Aufenthaltes hat mich lebhaft interessirt, auch an meine Reisen dort erinnert: doch was mich an Früheres erinnert, thut mir weh. Ich lebe von der Litteratur so abgeschieden, daß ich nur durch Steinschneider oder Briefe etwas erfahre: erzählen Sie mir darum immer von Neuigkeiten, — versteht sich, wenn Zeit und Befreiung von der Fahne es erlauben. Meine Briefe an Geiger liegen wahrscheinlich in meinen Schränken; von S. Sachs Katalogs) weiß ich nichts. Mein linker Fuß konnte mehrere Wochen keinen Stiefel vertragen: auch heute, obgleich ich ausgegangen, ist die Ordnung nicht hergestellt und jener Fuß nicht social. Dies letztere Wort mahnt mich an Kammerverhandlungen, d. h. an Stillschweigen, und so schließe ich mit dem Wunsche, daß Sie gesund nach Pest zurückkehren und in nicht langer Pause mit einem Briefe bedenken den Ihnen achtungsvoll ergebenen Berlin, 21. October 1878. Zunz. 59. Kaufmann an Zunz. Am Rande notirt Zunz: beantw. 26. November. Budapest (Königsgasse 46, I) 25. October 1878. In einer Morgenstunde, bevor ich zu Awtsgeschäften und anderen Arbeiten übergehe, beginne ich diesen Brief, da ich Ihnen dafür meinen Dank schulde, daß Sie noch in der ersten Woche meines hiesigen Aufenthaltes mich erfreut haben. Seit Montag, den 21. d. M. Abends, bin ich wieder in Pest. Der Unterricht beginnt erst Sonntag, allein Aufnahmsprüfungen und Conferenzen haben meine Zeit mehr in Anspruch genommen, als dies amtlich während des Schuljahres zu geschehen pflegt. Die Gymnasialklaffen haben neue Lehrer erhalten, und ich darf wohl die Hoffnung aussprechen, daß diese Vorbereitungsschule immer mehr der Höhe des deutschen Gymnasiums sich nähern und die unglaubliche Liederlichkeit hiesiger Schulen abstreifen wird. Da die Aufnahme wieder einen erklecklichen Zuwachs ergeben hat, so kann der Anstalt ein ruhiges, sicheres Wachsthum nicht abgesprochen werden. Es melden sich sogar bereits die Söhne unserer Feinde. Oesterreichs Mißgeschick betrifft auch unsere Anstalt, da die bosnischen Wirren die Einziehung Professor Bacher's zur Folge hatten, den nunmehr das Kriegsministerium trotz wiederholter Gesuche um Entlassung nicht herausgeben will. Es soll jetzt noch ein directer Schritt beim Kaiser oder eine Audienz beim Reichskriegsminister versucht werden. Ich habe stets als ein Gleichgültiger von staatlichen Dingen gelesen; die neue Wendung in den Geschicken Oesterreichs hat je- 1) Vgl. oben S. 124, Anm. 1.