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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 122

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1903-01-01
Page
Seite 122 (sequence 3)
Language
German
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122 langer, unerquicklicher Fahrt Dienstag am 10. d. M. hier angekommen. Ich erkaufe hier meine Genüsse trotz alles Fahrens nur um den Preis großer Anstrengung und Ermüdung, so daß ich mich schon lebhaft nach Hause sehne und auch vor den Festen daselbst einzutreffen gedenke. Natürlich habe ich auch die Vertreter unserer Wissenschaft ausgesucht. Außer Derenburg, der auch in seiner Behausung den Akademiker verräth, scheint hier unter den Veteranen der jüdischen Litteratur, besser unter den Invaliden, große Noth zu herrschen. Wenn man bei Goldberg 1) Luft schöpfen will, dann muß er seinen Empfangssalon auf einem anstoßenden Bleidach aufschlagen, wo ein Wald von Schornsteinen die Aussicht, ja den ganzen Horizont umschließt. Jetzt will die Allianz sich auch unseres Aschenbrödels annehmen und einen besonderen Fond für Ausgaben und litterarische Unternehmungen gründen. Joseph Halevi, der Reisende und Sprachforscher, ist die interessanteste Bekanntschaft, die ich gemacht habe. Er scheint mir zur rechten Zeit für die Assyriologie gekommen zu sein, aus der er eine semitische Domäne zu machen gedenkt. Alle Hirngespinnste Renan's über die ״Inferiorität" der Semiten werden von ihm zerfasert werden. Er hat 1500 Fr. als Preis für die vergleichende Grammatik erhalten und dürfte früher oder später ins Institut gewählt werden. S. Sachs ist noch bei seiner Tochter in Gent. Ich kann Ihnen darum' die Bogen seines natürlich nur angefangenen Katalogs nicht schicken. Vielleicht kommt er in diesen Tagen wieder, und ich werde mir dann die Blätter zu verschaffen suchen. Seit gestern ist Neubauer aus Oxford hier. In der Ausstellung war ich bereits zweimal. Da ich die Wiener gesehen habe, so hat die große Spielerei, mit Ausnahme des überwältigend schönen Palastes auf dem Trocadero, mich nur wenig überrascht. Es sind auch eine Reihe jüdischer Handschriften und synagogaler Kunstgegenstände ausgestellt. Von den letzteren ist sogar ein besonderer illustrirter Katalog herausgegeben worden. Sonderbar ist es, daß ein Jude den höchsten Triumph in der kirchlichen Malerei auf der Ausstellung davon getragen hat. Henri Lewi, so heißt der Maler, soll es oft gegen Albert Cohn ausgesprochen haben, wie sehr er es beklage, die Stoffe für seine Kunst nicht dem Judenthume entlehnen zu können. Auch ein Beweis, wie sehr diejenigen lügen, welche den Juden alle Begabung für die Kunst absprechen, wie Hr. Renan. Ich hoffe also, vor * 2ר״ה) noch zu Hause zu sein. Sollte 2) Er lebte seit 1852 in Paris und starb daselbst am 3. Mai 1884. 2) Neujahr.

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