Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Kanzel und Katheder im Lichte des Judentums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 1× ep/1024888
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LKLMN wir Kanzel und Katheder im Lichte des Judentums betrachten, so ist es ausschließlich der Inhalt der Rede, der uns ihre Eigentümlichkeit erkennen läßt; dagegen treten uns in Bezug auf Wesen und Zweck der Rede wenige Merkmale entgegen, durch die sie sich von außerjüdischen Redestätten unterscheiden könnten. Gelegentlich haben wohl einzelne unserer namhaften Prediger Abhandlungen über die Rede veröffentlicht, doch erst vor einem Jahrzehnt erschien von Maybaum die erste systematische Homiletik. Die Beschäftigung mit der Theorie der Rede war eben nicht unsere Sache, und so wurde der Kampf, den sie zu bestehen hatte, nicht in unserer Mitte geführt. Die Rhetorik ist eine Schöpfung der Griechen, die dann von den Römern, wie Cicero, Quintilian ausgebildet wurde. Sie ergab sich ihnen aus der Praxis, aus der Beobachtung der Gerichtsrede, der Staatsrede, der Gelegenheitsrede, deren Stätte die Tribüne war. Sehen wir aber von der Rhetorik ab, und achten wir auf die Beredsamkeit überhaupt, so tritt sogleich das alte Israel in den Vordergrund. Ohne eine Rhetorik zu besitzen, wenden die Propheten alle Redefiguren an.