Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Über die Bedeutung des Judentums in der Gegenwart
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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103 tums Anteil am ewigen Leben. Wir Juden machen keine Propaganda, weil wir auf die unüberwindliche Macht der Wahrheit und auf ihren Sieg vertrauen; wir haben keinen anderen Wunsch, als daß man uns ruhig und unangefochten unfern Weg gehen lasse. Wir stimmen aus vollem Herzen dem Worte Moses Mendelssohns zu: „In welcher glücklichen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen diejenigen Wahrheiten annähmen und aüsübten, die die besten Christen und die besten Juden gemeinsam haben!" Aber das Recht unserer Fortexistenz können wir uns nicht bestreiten lassen. Israel ist das auserwählte Volk, wie jedes Volk auserwählt ist, das von der göttlichen Vorsehung zur Erfüllung einer großen und erhabenen Sendung berufen ist. Den Fanatikern des Nationalitätsgedankens aber steht es wahrlich am wenigsten zu, uns aus dem Glauben an unsere Auserwähltheit einen Vorwurf zu machen. Wir sind das auserwählte Volk, weil wir die Träger der Gottesidee, des Einheitsgedankens sind, durch den dereinst alle nationalen Schranken überwunden werden sollen, und in welchem die ganze Menschheit sich zusammenfinden und zu einem Bruderbünde vereinigen soll. In diesem Glauben lassen wir uns durch keine Anfechtungen, durch keine Ungunst der Zeit beirren. Der Fortschritt der Menschheit läßt sich nicht aufhalten. Auf wunderbaren und geheimnisvollen Wegen führt sie die göttliche Vorsehung ihrem Ziele entgegen.