Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Sein Blut komme über uns
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 9)
- Language
- German
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90 nimmt, auch der Gott des alten Testamentes sei ein Gott der Liebe, die Juden hätten ihn nur falsch verstanden. Denn wir befänden uns dem Phänomen eines allmächtigen Gottes gegenüber, der nicht einmal von denen verstanden worden wäre, an die er sich mit seiner Offenbarung in erster Linie bewußt gewendet hatte. Unsere einzige Quelle ist das alte Testament. Ist der Gott des alten Testaments ein Gott der Liebe, so können ihn die Juden nicht.falsch verstanden haben; im „Buch der Bücher" zeigt sich ja ihre Auffassung von der Gottheit. Ist der Gott des alten Testaments ein Gott der Rache, der des neuen ein Gott der Liebe, so ist dann thatsächlich nicht darum herumzukommen, daß der liebe Gott nach dieser in christlichen KrZisen leider noch immer verbreiteten, aber, wie man sieht, unhaltbaren Auffassung seine Dispositionen geändert und zwei verschiedene Sittenlehren geoffenbart haben soll.