Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Sein Blut komme über uns
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 1)
- Language
- German
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M Komme Oer ms." Eine historische Untersuchung. Tübinger theologische Schule hat mit Recht darauf hingewiesen, daß in den Evangelien zwei Tendenzen deutlich hervortreten: die Darstellungen der Judenchristen suchen Christus und die christliche Religion mit der jüdischen Tradition und der zeitgenössischen jüdischen Bevölkerung möglichst in Einklang zu bringen, die Darstellungen der Heidenchristen suchen zwischen Christus und seiner Umgebung einen möglichst schroffen Gegensatz zu erweisen. Auf die Dauer hatten die Römer, die Heidenchristen, das Heft in die Hände bekommen, daher den Stempel ihrer Darstellung den Evangelien aufgedrückt. Sie sind hierbei aber nicht litterarisch-kritisch vorgegangen, so daß von der ursprünglich judenfreundlichen Darstellung noch mancher Rest sich erhalten hat, genug, um sich hier und da mit einiger Sicherheit feststellen zu können. Der Gegensatz von heidenchristlicher und judenchristlicher Darstellung muß mit besonderer Deutlichkeit in der Erzählung der Verurteilung und des Todes Christi hervortreten. Seine Lehrthätigkeit, seine Ansprachen an das Volk oder seine Jünger konnten beide Teile gelten lassen, sie waren der gemeinsame Boden, auf" dem sich beide Teile fanden. Dagegen suchten die Judenchristen für die Verurteilung Christi den Römern die Schuld auszubürden, während die Römer die Juden hierfür verantwortlich zu machen strebten.