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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Das altjüdische Schulwesen
Date
1903-01-01
Page
Seite 81 (sequence 34)
Language
German
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81 Traditionslitteratur, deren Erforschung ihrem Ursprünge entsprechend, zum Festhalten an der alten Einseitigkeit und Ausschließlichkeit hinführte. Nach außen hin aber kam der Trieb zu lernen, der Wissensdrang den fremden Kultureinflüssen entgegen und drängte zur innigen Berührung und Verschmelzung mit den geistigen Bestrebungen der nichtjüdischen Kulturwelt. Auf den durch beide Richtungen erzeugten Strömungen, aus den Kämpfen, die durch ihren Zusammenstoß entstanden, auf den Bemühungen, einen friedlichen Ausgleich zwischen ihnen Herbeizufuhren, beruht zum guten Teile die innere Geschichte des Judenthums bis aus den heutigen Tag. Das altjüdische Schulwesen in seiner Einheitlichkeit und Ausschließlichkeit gehört für immer der Vergangenheit an. Aber auch unter veränderten Kulturverhältnissen müssen wir an dem großen Ziele, das es für seine Zeit auf unvergleichliche Weise angestrebt und erreicht hat, festhalten. Welche Institutionen immer innerhalb der jüdischen Gesamtheit an die Stelle der altjüdischen Schule getreten sind, sie müssen die Kenntnis unseres heiligen Schristthums und unserer Ueberlieserungen befestigen und Vielen zugänglich machen, damit der Geist, der jene erschuf und durch Jahrtausende bewahrte, auch in unserer Mitte lebendig bleibe und das Gefühl des Zusammenhanges mit den Bethätigungen dieses Geistes in unserer Geschichte nicht schwinde. Auch die Gesellschaft, die als eine ihrer Ausgaben Sammlung und Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler des Judenthums nennt, dient demselben Ziele; auch sie darf den Ruhm in Anspruch nehmen, als eine Institution betrachtet zu werden, die aus ihre Weise und in ihrem engern Wirkungsgebiete den Geist des Judenthums lebendig zu erhalten und das Gefühl des Zusammenhanges mit seiner Jahrtausende alten Geschichte zu nähren bestrebt ist. Wenn ich daher heute, in dieser verehrten Versammlung, die einstmalige, in ihrer Art vollkommene Institution zur Erreichung dieses Zieles, wenn ich die altjüdische Schule zum Gegenstände historischer Erinnerung wählte, glaube ich auch meinerseits zur Erfüllung der Aufgaben der verdienstvollen Gesellschaft beigetragen zu haben. 6

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