Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Das altjüdische Schulwesen
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 3)
- Language
- German
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50 körpert. Die Synagoge als Stätte des gemeinsamen Gottesdienstes, der öffentlichen Belehrung für die versammelte Gemeinde, das Lehrhaus, die Stätte des Unterrichtes für die Jugend, des ' gemeinsamen Studiums für die Erwachsenen; beide Institutionen sind Schöpfungen der eigenartigen jüdischen Kultur, sowie beiden zusammen die Aufgabe der Rettung und Forterhaltung des Judentums zufiel. Worin die Eigenart der jüdischen Kultur bestand, wie sie lange Zeit noch in der eigenen Heimat sich der Kultur der Griechen und Römer gegenüber zu behaupten wußte, das .lehrt uns heute die weltgeschichtliche Betrachtung aus der Entfernung zweier Jahrtausende besser erkennen, als es stüheren Epochen gegeben war. Wir werden heute der Kultur des alten Israels nicht solche Bestandteile zueignen, die nicht ihr Eigentum waren; wir werden nicht, wie es im Altertume und im Mittelalter ernste Denker in allem Ernste thaten, die Propheten und Weisen Israels zu Lehrern der griechischen Philosophen und Forscher machen; vielmehr werden wir anerkennendaß nicht die Hervorbringung von Künsten und Wissenschaften die Bestimmung Israels war und daß es auf diesem Gebiete zu empfangen, nicht zu geben hatte. Nur durch seine Religion und seine unzertrennlich mit ihr verbundene Ethik wurde Israel zum schöpferischen Kulturvolle und zum Lichte der Nationen. Die Erleuchtung des Denkens durch die wahre Gotteserkenntniß, die Veredelung des Empfindens, die Schärfung des Pflichtgefühls, die Heiligung des Lebens und seiner Aufgaben durch die in der wahren Gotteserkenntniß wurzelnde Sittlichkeit, das sind die wesentlichen Elemente der Israel eigentümlichen Kultur und durch sie war das Judentum berufen zum Lehrer der Völker zu werden und die sittliche Umgestaltung der Menschheit herbeizuführen. Die erste schöpferische Periode der Kultur Israels erzeugte.das heilige Schrifttum, das aber kein totes Denkmal der Vergangenheit blieb, sondern in und mit dem Volke, aus dem es hervorgegangen, weiter lebte und neues Leben weckte. Aus den Geboten und Erzählungen der Thora, aus den Reden der Propheten, aus den Worten der Weisen und Dichter strömte derselbe Geist aus, der in den Urhebern dieses Schrifttums lebendig gewesen war. Und die neue