Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 31)
- Language
- German
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45 doch eine Zeit, in welcher die Juden an Wissen und Bildung hervorragten. In jene Zeitperiode, die man nicht mit Unrecht einen Blüthentranm der Weltgeschichte genannt hat, müssen unsere Forscher zurückkehren, um das, was Frauberger den sog. jüdisch-arabischen Stil nennt, herauszufinden. Diesem in den vielen Bauwerken Spaniens und Portugals nachzuspüren, die teils verstümmelt, teils verbaut, oder im Äußeren zwar erhalten, aber im Inneren für die Zwecke des katholischen Kultus umgemodelt worden sind, wird die dankenswerte Aufgabe der Forscher auf diesem Gebiete sein. Auch die beiden Arbeiten von I. Prestel über die Baugeschichte des jüdischen Heiligthums und von D. Joseph über Stistshütte, Tempel und Synagogenbauten aus alter Zeit bieten in dieser Beziehung wertvolle Anregungen und für unsere jungen Künstler eine Fülle von Motiven. Es ist jetzt viel von jüdischer Kunst die Rede, aber ein rechtes Bild von dieser kann man sich noch nicht machen. Wir haben zwar eine recht große Änzahl hervorragender Maler, aber diese haben bisher das Judenthum entweder garnicht berücksichtigt, oder sie haben nur das jüdische Kleinleben geschildert wie Oppenheim, Levy, Gottlieb, Kaufmann, Goldberg, Hirszenberg, Wachtel, Pasternack u. a. Nur von wenigen wie von Ury, Lilien, Struck, Epstein kann man sagen, daß sie die höheren Aufgaben und tieferen Gedanken einer wirklich jüdischen Kunst erfaßt haben. Dieses neue jüdisch-aesthetische Ideal will unsere Jugend aufrichten. Es soll ihm etwas tief Innerliches, Seelenvolles entströmen, eine neue Macht, eine neue Schönheit. „Diejenigen, die immer den treuen Glauben an das jüdische Volk bewahrt, und die, welche ihn unter Kämpfen der Seele wieder gewonnen haben, sollen durch die edlen und schönen Ergebnisse jüdischer Geistesentsaltung Stärkung und Vertiefung empfangen. Denen aber, die das Judenthum bisher nicht kannten oder nicht kennen wollten, und denen, die glaubten, daß aller Glanz in ihm erstorben, und nur ein tagscheuer Rest dunkler Alterthümlichkeiten übrig geblieben sei, soll in Formen, die sie bis jetzt nur bei andern Völkern finden und lieben konnten, das lebendige, schaffende, ringende, sich befreiende Judenthum gezeigt werden. So , sollen sie auf schönen Straßen zu ihrem Volke und zu seiner