Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 18)
- Language
- German
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32 die Feststellung eines geschichtlichen Thatbestandes. Auch der vorurteilsvollste Kritiker wird ihm zugestehen müssen, daß seine Arbeit von fleckenloser Objektivität ist. Aber wir freuen uns, wieder einmal an einem grundsätzlichen und sehr wichtigen Beispiel zu ersehen „wie die sonst bewundernswerte Gründlichkeit und sonst so streng gewahrte Sachlichkeit ihre Herrschaft über das Denken einbüßen, sobald talmudische Meldungen, denen des Josephus oder der Evangelien widersprechen oder auch nur zu widersprechen scheinen". Nicht weniger wertvoll ist das Buch von Ziegler; es verbreitet nicht nur Licht über viele Midrasch-Stellen, sondern es bietet ein einheitliches Bild von der Auffassung, welche die Männer der Haggada von den Zuständen im römischen Kaiserreich gehabt haben. Wir erhalten einen merkwürdigen Einblick in die Verhältnisse des Römerreiches über Amtszeichen und Ehrungen der Kaiser, ihre Jurisdiktion, ihre Beamten und Freunde, chre Freigelassenen und Sklaven, ihren Staats- und Familienbesitz, ihre familiären Verhältnisse, das Heer, die Spiele, Mahle und Jagden. Alles wird sehr hübsch, anschaulich und eingehend beschrieben. Wir empfangen den Eindruck, daß aus allen Teilen der Haggada uns griechisch-römisches Leben entgegenströmt, und daß das Judentum nur in seinem nationalen und religiösen Leben sich abgeschlossen hat. Aber nicht nur die jüdische, sondern auch die römische Archäologie wird aus diesem Buche manche Förderung erfahren. Auf das Gebiet der Geschichte übergehend, möchten wir zunächst erwähnen, daß von dem LtLuckarckworü der jüdischen Geschichte von Graetz immerfort neue Auflagen herauskommen. Allerdings, wie es scheint, unter Ausschluß der Öffentlichkeit, da diese weder angezeigt noch besprochen werden. Es ist das von der einen Seite ein gutes Zeichen, da das Buch von selbst geht, auf der andern Seite aber ist ein solches Beispiel nicht, gerade nachahmenswert. Die Geschichte der Juden in Babylonien von Anfang des dritten bis zu Ende des fünften Jahrhunderts hat S. Funk in einem lesenswerten Buche dargestellt. Er wich von der Gewohnheit früherer Historiker, das Volk ausschließlich in seinen hervorragendsten Führern zu charakterisieren, mit Recht ab und gab nach Art der modernen Kulturgeschichte ein Bild von dem Gesamtleben