Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5662
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 entschied, daß man die Juden, die in Rumänien geboren und nicht Unterthanen eines fremden Staates seien, ökonomisch und polizeilich nicht als Fremde behandeln dürfe. Die volle Naturalisation einiger Hunderte von reichen Juden wurde angekündigt, um Europa Sand in die Augen zu streuen. Endlich nahm man von den Beschränkungen des Gewerbegesetzes alle diejenigen „Fremden" aus, die zu einer rumänischen Zunft gehörten, also fast sämtliche rumänischen israelitischen und die meisten wirklich ausländischen Handwerker. Und dann kam ein Ereignis, das in der ganzen Welt das ungeheuerste Aufsehen erregte. Schon im Juli dieses Jahres hatte die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Bukarest gegen die Mißhandlungen Verwahrung eingelegt, die Tausende zum Theil mittelloser und durch die entwürdigenden Verfolgungen körperlich und geistig herabgedrückter Menschen in das Gebiet der Union trieben. Da sie auf diese Vorstellungen keine Antwort erhielt, wandte sie sich im September mit einem Rundschreiben an die europäischen Großmächte, um sie zu gemeinsamem Einschreiten gegen die rumänische Regierung zu veranlassen: nicht nur um eine für die übrigen Staaten teilweise unerfreuliche Einwanderung zu verhüten, sondern auch im Namen „des internationalen Rechts und der ewigen Gerechtigkeit"^ Es bleibt abzuwarten, in wie weit die europäischen Mächte sich diesem glänzenden und hochherzigen Vorgehen Amerikas anschließen. Einige von ihnen möchten wohl durch ihr böses Gewissen daran verhindert werden. Mehr als aus ihre Mitwirkung, weit mehr als auf Reue oder guten Willen der Rumänen selbst vertrauten wir auf den tiefen Eindruck, den diese Ereignisse und zumal das rühmliche Auftreten der Union in der öffentlichen Meinung Europas hervorgebracht hat. Auf die Erlangung einer neuen, so notwendigen Anleihe dürften die Herren nach dem mahnenden und drohenden Einschreiten des mächtigsten Gemeinwesens der Welt kaum noch rechnen. Und so heißt es aus guter Quelle, daß, auf Anregung des Königs Karl, die rumänischen Machthaber sich entschlossen hätten, wenigstens für die nächste Zukunft eine den ausdrücklichen Festsetzungen des Berliner Vertrages