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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 232 (sequence 101)
Language
German
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232 zrsiammenführt, ist nicht der Brauch, ist leider nicht der Glaube, sondern einer ans ihrem Kreise, der das Patriarchenalter erreicht hat. Ein Greis, den sie ehren wollen, auf den sie mit Rührung und Freude blicken — die — der Greis wird 90 Jahre alt, und diese Empfindungen sind rein persönliche und gelten einer Person! Nicht dem Glauben, nur der Pietät! Wie lange aber wird das moderne Israel noch seine Patriarchen haben? Wie lange sie feiern? Und wenn dieses Band fehlt und an seiner statt nicht das historische Gefühl stark wird in Israel, was dann? Es mag viele geben, die sagen, wenn unsere Mission erfüllt ist, dann dürfen wir nicht klagen, wenn wir, die geringere Minderheit, uns als selbstständige Substanz auflösen, und es läßt sich gegen diese Ansicht nicht streiten, sie hat viel Berechtigung und enthält viel Wahres. Aber diese Wahrheit ist eine traurige und ich möchte sie nicht zu der meinigen machen, denn ich will, daß mein Volk nicht untergehe, weil es werth ist, zu bestehen, weil es große und herrliche Kräfte in sich birgt, die im Sonnenglanze einer freien Ausgestaltung aufblühen werden und herrliche Früchte tragen und Israel groß machen werden unter den Völkern." Seine Sprache war scheinbar leidenschaftslos und ganz klar und sachlich brachte er seine Argumente vor. Aber in seiner Simme vibrirte etwas wie verhaltener Schmerz, wie bittere Anklage und innerstes Leid. Ueber seinem edlen, stillen Antlitz lag es wie stumme Klage, nur seine Augen sprachen eine beredte Sprache. Etwas Beschwörendes, Flehendes, Erweckendes leuchtete aus ihnen. Der Geheimrath schien nachdenklich, während Hugo dem Freunde in impulsiver Bewegung die Hand gereicht hatte. Erst eine Aufforderung der Geheimräthin, nun aber auch an das leibliche Wohl zu denken und ein Glas Bier oder Wein und einige Sandwiches zu nehmen, löste die Spannung und Erregung, die sich aller bemächtigt hatte. Die kluge Frau hatte den rechten Moment dafür abgewartet. Man plauderte nun noch ein Weilchen über gleichgültige Dinge und als Weilen später einige Minuten mit Rita allein war, fragte er sie: „Wer ist Di*. Rosenfeld eigentlich?"

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