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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 202

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 202 (sequence 71)
Language
German
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202 Wesen zn täuschen. Den Besuch des Regierungsraths erwähnte sie nur ganz nebenher. Er wäre gekommen, um seinen Neujahrsbesuch abzustatten. Hugo sah sie so fest an, daß sie erröthete und unwillig ihren Kopf abwandte. „Hast Du ihm gesagt, daß die große Gratulationseour bei uns nicht mehr stattfindet, seit man uns deutlich zu verstehen gegeben, daß wir Staatsbürger zweiter Ordnung keinen Anspruch hätten und keinen Theil an den Festen der übrigen." Eine grenzenlose Verbitterung lag in seinen Worten. Sie sah ihn an, als wäre sie mit ihren Gedanken in einer anderen Welt, während der Geheimrath unmuthig sagte: „Ob Du wohl einen Augenblick mit Deiner Bitterkeit und Deinem Hohn Ruhe geben könntest. Jeden Anlaß nimmst Du wahr zu Deinen Ausfällen. Es ist doch geradezu lächerlich, wenn Du Rita fragst, ob sie der Höflichkeit eines Besuchs durch eine unerfreuliche Aeußerung begegnet wäre." Dankbar blickte das junge Mädchen den Vater an. In ihren Augen blitzten verhaltene Thränen. „Genug, wenn wir für uns das thun und so leben, wie es unserer verletzten Würde geziemt, andern aber damit zu kommen, ist ebenso unschicklich, wie langweilig. Ich sage Dir, daß es schönere und bessere Zeiten waren, wo der Sylvester bei uns mit einem großen Ballfest gefeiert wurde, wo am Vormittag die Gratulanten sich einfanden und Abends, statt daß wir jetzt trübselig zu Drei zusammensitzen, ein fröhliches Diner die Freunde vereinte." „Schönere Zeiten, vielleicht, Vater," sagte Hugo unwirsch. „Amüsantere auch und bequemere, aber nur vorübergehende Zeiten. Man war damals wohl einer liebenswürdigen Laune folgend in gnädiger Herablassung bereit, uns zu gestatten, die Feste mitzufeiern und an bestimmten Tagen des bürgerlichen und öffentlichen Lebens uns allerunterthänigst freuen .zu dürfen. Das Religiöse richtete ja trotzdem eine unüberwindliche Scheidewand zwischen uns und ihnen auf. Aber Einzugsfeste, Illuminationen, Paraden, patriotischen Klimbim jeder Art, da durften wir mit dabei sein, auch Weihnachten und Neujahr gab man uns frei, mit ihren wohlthätigen Anregungen zu Einbescheerung und Geschenken . . . welche

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