Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Meyer Aaron Goldschmidt
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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118 pathieen hegen können, widersprechende Stimmungen empfinden und mit Sympathie und Stimmung konfrontieren, vieles verstehen und sich aneignen können, was Anderen durch ihre unfreiwillige oder freiwillige Beschränktheit versagt wurde. Diese durch seine Abstammung begründete Unabhängigkeit in Bezug aus Gegenstand und Stoff — eine Quelle großer Stärke und großer Schwäche — wird durch seine stilistische Kraft verdoppelt. Gegenüber einer Natur und einem Wirken, wie Goldschmidts, gebraucht ein unwilliger Betrachter das Wort „entwurzelt"; aber das Wort paßt nicht. Will man diesen Schriftsteller mit einem Baume vergleichen, so gleicht er nicht einem entwurzelten Baume, sondern einem umgepflanzten und gepropsten, dessen Zweige sich stark in die Breite ausweiten, dessen Stamm hoch empor wächst und dessen liebliche Früchte einen feinen und gemischten Geschmack haben.