Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Über Gegenwart und Zukunft der jüdischen Religion
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 1)
- Language
- German
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iUx Gegenwart mö kt Von MM H ^ttöivig Hl-u. ZDs wird allgemein geklagt, daß es mit der alten Frömmigkeit aus sei, daß das religiöse Leben aus den Familien allmählich verschwinde, daß die Synagogen veröden. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Religiosität, die einst gegen den Siedepunkt strebte, seit Jahrzehnten sich immer mehr dem Gefrierpunkt nähert. Die Reformirung des Gottesdienstes, seine äußere Verschönerung und innere Veredlung, von denen man ehemals eine Wendung zum Besseren erwartete, hat sich als eine trügerische Hoffnung erwiesen. Andere bekannte und lobenswerthe Bestrebungen zur Hebung des religiösen Sinnes und Lebens haben bislang ebenfalls nicht zum gewünschten Ziele geführt, wenngleich nicht behauptet werden soll, sie wären ganz fruchtlos geblieben. Wir fühlen es alle, daß wir das Erbtheil unserer Ahnen, unseren Stolz, unsere tausendjährige Religion, der unsere Väter in den Stürmen der Jahrhunderte unerschütterlich treu geblieben, nicht dem Untergang Preis geben können. Mit Klagen und Thränen ist's nicht gethan, sie können unserem Herzen Erleichterung verschaffen, aber nicht den Uebelständen abhelfen. Wir müssen wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Wir müssen die Vergangenheit und die Zukunft klar sehen,