Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 27)
- Language
- German
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43 Poesie und Belletristik zu konstatiren. Es erschienen Romane, Novellen, Erzählungen, Biographien, Dramen, Gedichte, Uebersetzungen fremder Meister, Volksbücher in meist recht geschickter Auswahl und vortrefflicher Uebertragung. Diese Litteratur hat sich dem Geist der Zeit angeschlossen. Sie ist keine exotische Blume mehr, sie greift in das sociale Leben ein und weiß dessen Contraste geschickt zu schildern, dessen Bedürfnisse rasch zu erfassen. Ich kann aus der reichen Fülle des angesammelten Materials nur Einiges erwähnen, so den Roman von I. Berschadsky: Ohne Ziel, die Novelle von A. S. Rabinowitz: Die Tochter des Reichen, die Visionen und Melodien von S. Tschernischowsky, die Uebersetzung der jüdisch-deutschen Skizzen von I. L. Peretz durch I. Klausner, die gesammelten Schriften von David Frischmann, ein historisches Drama: Krieg und Liebe von A. Liboschitzky und den Roman: Simon Ezioni von I. L. Levatin. Für die Bedürfnisse des Volks sorgt die wahrhaft vortreffliche und echt populäre hebräische Volksbibliothek von Ben Avigdor, in der auch einige der ebengenannten Schriften erschienen sind. Wir hätten dann zum Abschluß noch das weniger erfreuliche Gebiet der Zeit- und Tagesschriften zu behandeln, wenn es sich der Mühe lohnte, diesen Ephemeriden eine über den Tag reichende Bedeutung zuzuschreiben. Nur sehr wenige von den einschlägigen Schriften werden als Beitrüge zur Geschichte und Kultur unserer Zeit für,den künftigen Historiker von Werth sein, wie etwa die Schriften von H. L. Strack, Kleinpaul, Kurrein u. A. über den Blutaberglauben, der auch in diesem Jahre wieder seine Opfer gefordert und über den auch diesmal eine Reihe von Schriften in neuen Auflagen erschienen ist oder die Broschüre: Romanicae Res, die die überaus traurige Lage der Juden in Rumänien behandelt. Zeitfragen erörtert in geistvoller Weise auch M. So ko low in einer hebräischen Sammlung seiner besten Aufsätze; eine wichtige Frage behandelt Ludwig Cron in einer statistischen Arbeit über Glaubensbekenntniß und höheres Studium. Die Urtheile von Nichtjuden über den Zionismus hat Emil Kronberger in einer kleinen Schrift vereinigt. In der Reihe der Kämpfer für unser gutes Recht begegnen wir auch diesmal dem wackeren Gustav Levinstein, der in scharfer