Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5660
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 dem Namen nach jüdischen — Senator Montefiore-Levi zu Fall. Allein neuerdings haben sich Radikale und Sozialisten Belgiens zur Bekämpfung des Antisemitismus aufgerafft: in Brüssel wurde außer Montefiore-Levi noch der eifrig jüdische S. Wiener in den Senat gewählt. Das andere neutrale Land, die Schweiz, zeigt ganz vorurtheilssieie Gesinnung. Das Volk erwählt wiederholt Juden zu Beamten, und niemals fällt im Wahlkampf auch von gegnerischer Seite das Wort „Jude". Welch' Gegensatz hierzu die ungeheure Despotie Rußland! Hier kann man sich noch immer nicht zu einer durchgreifenden Erleichterung des schweren Joches verstehen, das auf den unglücklichen Israeliten lastet. Freilich zeigen die Beschlüsse der höchsten Verwaltungsbehörde, des Senats, eine kleine Neigung zum Bessern, offenbar ausgehend von der edlen und idealen Persönlichkeit des jungen Zaren. Er räumt verschiedenen Kategorien der Juden —• besonders früheren Soldaten und akademisch Gebildeten — das Recht ein, im ganzen Reiche zu wohnen, Grundbesitz zu erwerben und Handel zu treiben. Er erleichtert hier und da die Freizügigkeit der Juden. Jüdische Soldaten dürfen wieder — was ihnen 1885 entzogen worden war — zu Unteroffizieren befördert werden. Eine solche Verfügung ist um so gerechter, als die russischen Generale selber die Tapferkeit der jüdischen Soldaten anerkennen. Eine große Anzahl derselben ist auf den Kriegsschauplatz in China abgegangen. Unter der Besatzung von Port Arthur sind sie so zahlreich, daß die Regierung ihnen eine eigene Synagoge erbauen ließ. In der 5. Schützenbrigade, die nach China beordert wurde, befinden sich nicht weniger als 700 jüdische Soldaten, für die eine eigene Thorarolle mitgenommen wurde, die der betreffende Kommandeur neben den Regimentsfahnen aufbewahren läßt. Diese Thatsachen machen an hoher Stelle den besten Eindruck. Die Juden gewöhnen sich daran, bei kleinen und großen Bedrückungen durch die Beamten sich klagend an den Senat zu wenden, und dieser ist gerecht genug, überall helfend einzugreifen, soweit die Gesetze es gestatten — freilich ist das noch nicht allzu viel! Neuerdings ist im Ministerium des Innern eine eigene Abtheilung für jüdische Angelegenheiten