Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5660
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 giebt. Das Leichenbegängniß des in den ehrenvollsten und schwierigsten diplomatischen Sendungen bewährten Staatsmannes Jsaac Artom, des Vertrauten des großen Cavour, gab den höchsten Persönlichkeiten des Staates, dem Könige, den Ministern, den Vertretern des Senates und der Kammer u. s. w. Gelegenheit, ihre Verehrung sür den dahingeschiedenen Israeliten persönlich zu bethätigen. Im italienischen Heere aber giebt es, aus den wenigen italienischen Juden, einen Generalleutnant, einen Oberst, - 8 Majore, 43 Hauptleute und 109 Leutnants. Das gleiche Ergebniß der hervorragenden Befähigung und Lust der Juden zum Heeresdienste wird sich in allen denjenigen Ländern erweisen, die den Juden die Osfizierschargen zugänglich machen. Um so trauriger ist das Vorurtheil, das ihnen solche im deutschen Vaterlande verschließt! Frankreich ist dasjenige Land, in dem wir eine entschiedene Bessergestaltung der Verhältnisse der Israeliten verzeichnen dürfen. Der Präsident Loubet sowie das Ministerium Waldeck-Rousseau haben dort mit ebenso vieler Festigkeit wie Mäßigung und Besonnenheit den Kampf gegen Klerikalismus und Nationalismus gerade auf dem Gebiete der Judenfrage ausgenommen: einen Kampf, der um so schwieriger war, als das Offizierkorps fast ganz von dem sreiheitsfeindlichen Klerikalismus durchseucht ist. Die Offiziere der Artillerieschnle von Fontainebleau, die sich gegen die Aufnahme eines jüdischen Kameraden sträubten, wurden empfindlich gestraft. Das Ministerium verkündete bei jeder Gelegenheit, daß es „jeden Unterschied nach Abstammung, Religion und Rasse entschieden zurückweise". Der Sieg, den die Nationalisten bei den Pariser Stadtrathswahlen erfochten, machte es in seinen Bestrebungen um so weniger irre, als es die große Mehrheit des Senates und der Kammer auf seiner Seite hat. Es ernannte einen Juden neuerdings zum General; seit 1870 hat es in Frankreich nicht weniger als sieben jüdische Generale gegeben. Aber auch auf dem Gebiete der Wissenschaft zeichnen sich die Juden aus. In der ^.oackeinie des inscriptions et belles-lettres allein — einem der fünf Zweige des französischen „Instituts" (Akademie) — giebt es ein jüdisches Minjan: zehn ordentliche Mitglieder unter vierzig!