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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 251

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 251 (sequence 48)
Language
German
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IRI
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251 alle Kraft der Empfindung, Weihe und Zerknirschung in die Gesichter der Männer, aber auch Rührung und Liebe, denn er malte den Augenblick des Maskir, der Seelenfeier. Der Kantor las die Namen der Verstorbenen und auf dem Pergament stand deutlich in hebräischen Lettern: „Gottlieb" und die Jahreszahl. Der Maler hatte in dieses Gemälde sein ganzes Leben gesteckt und gefühlt, daß es nun zu Ende sei. Im selben Jahre starb er, und sein Name wurde mit der Jahreszahl verbunden, wie er es ahnend gemalt hatte. Das Bild aber lebt und wird uns alle überdauern, zur Verherrlichung des jüdischen Stammes. Und am Tage des Seelengedächtnisses, wenn sein Name genannt wird, dann horchen sie hoch auf, die Alten, und segnen sein Andenken, und die Jungen erbeben in sittlicher Erregung und alle guten Geister werden lebendig in ihnen. — Das ist alles, was ich für mich verlange, was ich meinem Leben abgewinnen will. — Wenn sie mich einstens der Todtenliste einfügen und meinen Namen verlesen, dann soll ein Zittern durch die Trauergemeinde gehen, die Alten sollen in Frieden meiner gedenken, die Jungen aber versuchen, mir nachzustreben. Ist es mir mißlungen, dann wird unter ihnen Einer erstehen, mein Wollen in Thaten umzusetzen, damit seinem Israel der Friede werde, den es seit Jahrtausenden vergeblich sucht!" „Und das soll Dir Ersatz sein für ein einsames Leben?" fragte Eduard mit wirklicher Theilnahme. „Menschen meiner Art sind immer einsam, gleichviel, ob sie das Leben Anderer an sich ketten oder nicht". Er blickte auf und sah in das schmerzhafte Gesicht seiner Mutter — da setzte er wehmütig lächelnd hinzu: „Das heißt, wenn ihnen kein Mütterchen lebt, das sie so liebt, wie mich das meine."

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