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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 243

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 243 (sequence 40)
Language
German
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243 wehrte die dargebotene Hand Roberts ab. „Die Mutter nimmt ihr eigen Kind, ihr Schlomele, ihr Fleisch und Blut, und schneidet ihm die Kehle durch. Hörst Du, eine jüdische Mutter schlachtet ihren eigenen Sohn, ihren Kadisch, den Sohn des Mannes! Und den kleinen, kleinen Kindern, die sich an chrem Herzen wärmen, schneidet sie auch den Hals durch und das Blut spritzt um sie, es spritzt, es spritzt, und das Herz bricht, aber die Hand zittert nicht. Ach, „höre Israel", jetzt legt sie das Messer an ihre eigene Kehle."- Er legte die Hände vor das Gesicht und schluchzte laut auf. Dann flüsterte er in seiner hastigen Weise: „Und weißt Du, Reb Rüben"-er nannte Robert nie bei seinem deutschen Namen, sondern beim hebräischen-„weißt Du, warum sie ihre eigenen Kinder geschlachtet hat? Weil das Messer schneller ist als das Feuer. Sie hat nicht erleben wollen, wie ihre Herzenskinder am Markt vor allen Leuten sich im Schmerze winden, sie hat nicht hören wollen, wie sie schreien, nach der Mutter jammern, die ihnen nicht helfen kann, weil sie angebunden ist und im Feuer vergeht.- Siehst Du, Reb Rüben, wie ich mit ihr," er wies mit dem Daumen nach der Küche, „in diese Stuben gekommen bin, vor zehn Jahren, mit ihr, mit meiner Malke, ich Hab' schon die Broche gesagt gehabt und alle bösen Geister verjagt. Da sind sie plötzlich gekommen, die Todten aus dem Memorbuche, verbrannt und zerschunden, geschlachtet und gerädert. Und sie, die Hanna aus Blois, weißt Du hier-hier..." er blätterte rasch die Stelle im Memorbuche auf und recitirte: „Hanna, die Heldin aus Blois und ihr Kind, das sie im Feuer geboren hat.-Da ist sie vor mir gelegen in ihren Wehen, beleuchtet vom zehrenden Feuer. Das'Kind hat man ihr in die Arme gelegt und sie hat es an sich gedrückt mit ihren gebundenen Händen und die Flammen sind über sie gekommen und haben sie eingehüllt und so is — so is sie hinüber zu ihm, zu dem gelobten Namen. Und wie ich, ich Hab' wollen zu Malkele und ihr den ersten Kuß geben, da is sie vor mir gelegen, Hanna mit dem Kinde, und ich Hab' mich gefürchtet und ich Hab — Hab sie nicht berührt. Und so-so — -— is es geblieben. Ich will hier keine Kinder haben. Es ist gefährlich-gefährlich 16*

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