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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 240

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 240 (sequence 37)
Language
German
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240 Wirkung nennt er das, Angewöhnung des Verrücktseins von den Patienten. Dann wäre es allerdings heilbar, dieses abgeschmackte Justament-Judenthum, wenn man ihn mit recht viel vernünftigen Leuten zusammenbrächte... Uebrigens wüßte ich ein Mittel, seine Neigung auf die Probe zu stellen. Laß' uns heute noch abreisen — aber ohne Besuch, sage ihm, er möge zu uns kommen, bald kommen. Er ist sehr sensitiv und fein, er merkt bald, was Du meinst." Martha ging in's Wohnzimmer zu Frau Seeliger, um Robert zu erwarten, der zugesagt hatte, bald zurück zu kommen. Beide Frauen dachten sein und nur sein, so daß sie bald, ihren Gedanken folgend, von chm zu sprechen begannen. Ob der Herr Doktor, ihr Sohn, eigensinnig sei? „Nein, eigensinnig nicht, nur festen Willens. Er hat zwei Arten, die Dinge anzugehen. Die Aeußerlichkeiten, und was so „kleine Sachen" sind, sehr sorgfältig, aber leicht nachgiebig und gut zu lenken. So hat er sich nie geweigert, eine Speise zu essen oder Medicin einzunehmen, und wenn sie noch so widerlich war. Aber in manchen anderen Dingen, da war er eisenköpfig, so z. B., als er eines Tages erklärte, er lerne nicht mehr im Talmud. Da half kein Bitten, kein Drohen, er that es einfach nicht, aber er gab gute Gründe dafür und bat flehentlich um Verzeihung. Und so wie er als Kind war, io ist er geblieben. Er überlegt lange, aber an seinem ernsten Entschlüsse ist nicht zu rütteln." Sie meinte, weiß Gott, wie klug zu sprechen, die gute Frau, wenn sie die Festigkeit seines Charakters hervorhob. Sie wollte dem Fräulein klarmachen, daß er treu ar: ihr hängen werde, wenn er sich erst vorgenommen habe, sie zu nehmen. Sie wollte auch entschuldigen, daß er sich nicht rasch erkläre. Martha aber hörte nur, daß sein Wille unumwandelbar sei. Sollte ihre Mutter Recht haben und tiefer sehen als sie? „Aber, wenn man ihn recht bittet, wenn eine liebe Person ihn anfleht, besteht er dann auch auf seinem Willen?" Martha hatte dies ängstlich, fast schmerzlich gesagt, so daß Frau Seeliger bemerkte, es sei etwas nicht in Ordnung.

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