Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 31)
- Language
- German
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— 234 hohen, eleganten Manne. Wie schön sich ihr volles Gesichtchen, das üppige schwarze Haar von seinem länglichen Kopfe mit dem wohlgepslegten Blondbart abhob! Sie wiegte sich an seinem Arme und fühlte im gleichmäßigen Fortschreiten die Harmonie der gemeinsamen Bewegung. Die Sonne schien durch die Straßenallee, beleuchtete die netten Häuschen und die sabbathlich geputzten Menschen. Ach, es war doch schön! Martha vergaß den Zwiespalt, der sich heute aufgethan und plapperte von vielen Dingen, die ihr durch das lustige Köpfchen schossen. Frau Ehrenstein aber hatte nicht vergessen und sie wollte nicht, daß ihre Tochter sich mit Robert „asfichire", wie sie Eduard zuflüsterte. Sie trat neben Martha hin und sprach von Wien, von dem Theaterbesuch am Montag, von den Jours der nächsten Woche, von einer Soirse bei einem Sektionschef, zu der man Toiletten bestellen müsse, so daß zwischen den jungen Leuten nichts gesprochen werden konnte. Inzwischen war man zur ehemaligen Judengasse gekommen, oder wie es hieß „Die Judenhöfe". Die Häuser waren hier niedriger als draußen in den Gassen und, wenn auch nicht unsauber gehalten, so doch verfallen. „Hier wohnten früher alle Juden", erklärte Robert, „und hier, halb in die Erde versenkt, stand die alte Schul". Es war ein stimmungsvolles Gotteshaus, zu dem man aus vielen Stufen hinabstieg. Altes Geräth, von der Patina dreier Jahrhunderte überzogen, gab dem Raum etwas Ehrwürdiges, was dem Hellen, modernen Tempel mit seinen Blechkuppeln und falschen Minarten fehlte. Wenn hier am neunten Ab die Männer ünbeschuht auf der Erde saßen und ihre Kinos, die alten Klagegesänge, anstimmten, dann fühlte man den Schmerz der neunzehn Jahrhunderte um das zerstörte Heiligthum in Jerusalem, die Klage um die verlorene Heimath. Jetzt glaube ich, hat dieser Brauch schon aufgehört, was soll er auch in dem modernen Leben!" Während Roberts Erklärung wurden zankende Stimmen gehört, die immer lauter ertönteu. „Abtrünniger! Gottesleugner! In die Erde wirst Du