Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
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— 126 — Wie durch einen Zauber dm Sinn Mer Bewohner des Ghetto's gefangen genommen, unter denen bald ein Nimbus frommer Sagen den wunderthätigen Gottesmann umgab. Man drängte sich in seine Nähe und pries sich glücklich, ihn aufnehmen und ehren zu dürfen. Sein Begleiter und Secretär, wohl Elia Taragon, ward in dem allzeit gastlichen Hause des als Wiederhersteller der Altneusynagoge und als Primator der Gemeinde, in dessenFamilie die Vorsteherwürde Geschlechter hindurch wie ein Erbe sich fortpflanzte, in der Gemeinde wie durch sein Mäcenatenchum auf den Blättern der Litteratur verherrlichten Samuel Tausk^) für die Dauer seines Prager Aufenthalts beherbergt. Chajjun selber, heilig und nur dem Geiste lebend, wie er sich gab, nahm mit dem bescheidenen Obdache im Hause des durch den Glanz seiner Abstammung und durch rabbinische Gelehrsamkeit gefeierten Anschel Ginzburg vorlieb. Aber es war auch nur das Obdach, das er da annahm, sein eigentlicher Aufenthaltsort war das fürstliche Haus des damals in Geschäften für längere Zeit verreisten Oberlandesrabbiners David Oppenheim, in dem er sich feiern und bewirthen ließ. Die jüngeren Mitglieder der Familie, Allen voran der einzige Sohn des Hauses, Josef, der Schwiegersohn Samson Wertheimers, der Rabbiner von Hollefchau in Mähren, und Chajjim Jona Theomim, der junge Schwiegersohn David Oppenheims, der Mann seiner Tochter Sara^), konnten der ungewohnten Erscheinung nicht satt werden und schwärmten wie Mücken in der Sonne im Bannkreise dieser Persönlichst. Wie hätte Nastali Cohen der allgemeinen Begeisterung widerstehen können! War er doch mehr als alle Uebrigen vom Hause aus geneigt und wie vorherbestimmt, dem Zauber des unbekannten Pilgers zu erliegen. Von jeher hatten die Sefardim 1) S. Hack a. a. O. 145 und meine Anmerkuüg Id. n. 1. Nach PHD f. 15 a traf Perez in seinem Hause unter Anderen auch R. Mose b. Israel aus Sluck. Vgl. über Sluck Friedberg rnmb {TDl P- 27 n. 15. Ueber Tausk's Schwiegersohn R. Baruch Austerlitz s. Kaufmann, die letzte Vertreibung der Juden aus Wien p. 171 n. 3. 2) Kaufmann, Samson Wertheimer p. 97 n. 1 und 96 n. 2. Die Grabschrift der im Alter von 18 Jahren verstorbenen Frau s. Monatsschrift 42, 325.