Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Hochschulen in Palästina und Babylon
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 23)
- Language
- German
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— 105 — überzeugen konnte. Es scheint, zuweilen wenigstens, vorgekommen zu sein, daß die Antworten des Einen oder Andern keine ganz befriedigende waren. In diesem Falle setzte ihm der Examinator umso härter zu; er ertheilte ihm öffentlich eine Rüge, verringerte die ihm bisher gewährte Unterstützung; dann bezeichnete er dem Examinanden ganz genau die Partieen, bei welchen er es an Fleiß und Eifer hatte fehlen lassen, und endlich machte er ihn darauf aufmerksam, daß im Wiederholungsfälle die Beneficien ihm ganz entzogen würden. Diese Strenge konnte ihre Wirkung nicht verfehlen, und der Berichterstatter läßt die Bemerkung einfließen, daß die Jünger sich auf's eifrigste bestrebten, vor dem Examinator keine Blöße sich zu geben. Am Ende wurde noch der im nächsten Semester durchzunehmende Traktat bezeichnet, und bevor dies geschehen, durfte kein Jünger die Methibtha verlassen. Außer den ordentlichen Hörern, welche sich dem Examen unterziehen mußten, gab es noch Personen verschiedenen Alters, welche im Vorhofe des Akademie- Gebäudes den Vorträgen und Verhandlungen folgen konnten (B'ne Tharbizai). Diese waren an keine Geschäftsordnung gebunden; sie konnten kommen und gehen und brauchten selbstverständlich nicht den Schluß der Sitzungen abzuwarten. In dieser eigenartigen Zusammensetzung aus den hervorragendsten Gelehrten des Volkes und aus lernbegierigen Jüngern hat die jüdische Hochschule fast 15 Jahrhunderte bestanden und ihr verdanken wir den Talmud im weitesten Sinne des Wortes. Man hat zwar auch nach den Gaonen noch jede größere Talmudschule Jeschibah oder aramäisch Methibtha genannt, man nennt sie noch heute so, aber ohne jedwede Berechtigung; denn das Zusammensitzen der Gelehrten und nicht das der Jünger hat der alten jüdischen Hochschule ihr Gepräge verliehen. Es soll das große Verdienst der Talmudschulen gewiß nicht geschmälert werden; sie haben für ihre Zeit wenn schon nicht weit mehr, so doch zum mindesten so viel geleistet, wie die heutigen jüd. theol. Lehranstalten. Man darf jedoch nicht übersehen, daß die Jünger der alten Talmudschule, wohl nicht im Lehrhause selbst, dafür aber in der Stadt, wo das Lehrhaus sich befand, durch einen sehr großen Kreis hervorragender Gelehrten die beste und größte