Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Romulussage im Talmud und Midrasch
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 75 (sequence 1)
- Language
- German
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m tm Mö M Von A. L ^ie Sagen der Griechen und Römer waren den Meistern des Talmud bekannt, und es ist bemerkenswerth, wie sie es verstanden, ihren Inhalt homiletisch und exegetisch zu verwerthen. Liebten sie es ja, in ihren Volksvorträgen — etwas anderes sind ja die Midraschim nicht — das Wort bev Bibel durch Beispiele aus dem Leben dem Zuhörer lebendig zu gestalten und im Schriftworte verborgene Gedanken sinnlich zu veranschaulichen: so mußten sie wohl freudig zugreifen, wenn eine feinsinnige Sage des Alterthums ihnen Gelegenheit bot, das Ohr des Zuhörers durch treffenden Vergleich zu entzücken und feine Gedankenwelt zu erweitern. So wird z. B. von Rab Nachman die Besiegung der Schwierigkeit, das Weltenganze und die Naturerscheinungen zu begreifen, die den gewöhnlichen Menschen verwirren, den weisen und klugen aber in seinen Forschungen nicht beirren, durch ein Beispiel erläutert: „Das gleicht einem großen Palaste, in dem viele Thüren sind, so daß man in demselben in der Irre umhergeht. Was that nun ein kluger Mann? Er nahm einen Bastknäuel und band ihn an die Thür und fand nun an diesem Knäuel den Weg hinein und wieder hinaus." (Ber. R. 12,1.) Hier haben wir nun die Sage von dem Knäuel der Ariadne zwanglos