Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Was lehrten die Pharisäer?
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 20)
- Language
- German
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74 schauungen nicht zu verhindern vermocht, während das Judenthum von diesen zwei Plagen im Großen und Ganzen frei geblieben ist. Der Islam ist auf seinem großartigen Eroberungsgange in Lehre und Leben vom heidnischen Wesen überfluthet worden und es hat manchmal nur wenig gefehlt und die ursprüngliche Lehre Muhameds wäre in den Gewässern des Heidenthums ertränkt worden, wenn nicht der monotheistische Gedanke eine Reaction hervorgerufen hätte. Es giebt sogar Secten, von denen man sagen kann, daß sie von der Lehre Muhammeds keinen religiösen oder sittlichen Gedanken übrig gelassen, alle sind von ihnen zerstört oder verunstaltet worden. Das Judenthum, dessen Entwickelung zumeist nur von Außen gestört worden, ist von diesen Gefahren frei geblieben, und das haben wir in erster Reihe den pharisäischen Schriftgelehrten zu verdanken, die besonders in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten das Heidenthum und den Aberglauben bis in alle ihre Schlupfwinkel verfolgt und die dafür gesorgt haben, daß der Einfluß der biblischen Lehren auf das religiöse Bewußtsein ihrer Gemeinde stets gesichert sei. Darum rufen sie uns zu mit den Worten der Schrift (Prov. 4,2.): „Ich habe euch eine gute Lehre gegeben, meine Tora dürfet ihr nimmer verlassen!"