Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Was lehrten die Pharisäer?
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 55 (sequence 1)
- Language
- German
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Kas lehrien öie Mansäer? Von Martin Kchreiner. K^ach der Zerstörung Jerusalems zog Titus nach Rom, Wohin er die Heiligthümer des Tempels mitschleppte, um sie im Triumphzuge zu zeigen. Darunter war auch der „große Feind, der Hauptschuldige, der Besiegte", das Buch der Tora. Bei den Trümmern Jerusalems aber, so schildert jene Vorgänge ein Geschichtsschreiber, ließ er einen Theil seiner Legionen zurück, damit sie die zerstörte Stadt bewachen, als befürchtete er, daß die Leichname der gefallenen Helden wieder erwachen und den Arm erheben würden zur Bestätigung dessen, „daß sie die Verheißungen der Ewigkeit besessen hätten". Es war aber ein leerer Wahn, daß Titus mit der Zerstörung Jerusalems auch die Tora besiegt und unter dem Schutt der heiligen Stadt die ewigen Verheißungen der Propheten begraben habe. Und das hat ein Mann bewirkt, der ausdrücklich als Pharisäer bezeichnet wird, der noch zur Zeit als der Tempel bestand, ihre Lehren energisch vertreten und durch die Gründung einer Schule die Zukunft des Judenthums gesichert hat. Es war R. Jochanan ben Zakkai, der pharisäische Gesetzeslehrer. Wer die Pharisäer waren, das ist für uns eine Frage, die in geschichtlicher Beziehung eine große, aber für unsere religiöse Ueberzeugung eine untergeordnete Bedeutung hat. Denn das Judenthum, — so verkündeten schon hervorragende Lehrer der Synagoge in unserem Jahrhundert, — hängt nicht