Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Die Idee der Weltschöpfung
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 6)
- Language
- German
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44 Ich wage die Behauptung, daß Israel-Juda Gott zuerst als den erkannte, welcher es aus Aegypten, dem Sklaven- Hause, durch die Wüste in das den Vätern gelobte Land führte und ihm dieses zum Besitz gab. So erscheint Gott beim Propheten Hosea; und also erschien er wohl auch bei den Frühern ebenso?) Klassisch steilich bleibt der Vers: „Hebet Eure Augen nach Oben, und sehet, wer hat diese geschaffen? Der herausführt (wie ein Feldherr, nicht wie ein Hirt seine Herde) nach der Zahl ihr Heer, alle beim Namen ruft: vor feiner Macht-Fülle und Kraft-Gewalt bleibt keines aus." (Jesaja 40,26.) Dagegen singt ein altrömischer Dichter: „Blicke hinauf zur glänzenden Höhe, welche Alle Jupiter nennen." Jesaja weist hin auf die Schaar der Gestirne, ohne sie zu nennen: „Diese." Nicht ein Hirt und nicht der große Astronom ist Gott; er ist es, aber eben weil er ihr Schöpfer ist. Eigentlich will ja auch Jesaja nicht das Dasein Gottes beweisen; sondern wie seine Vorgänger setzt er Ihn voraus und mahnt die Klein-Gläubigen, Ihm zu vertrauen, da Er als Schöpfer des Alls auch Alles vermöge. Nun, wodurch denn ist die erhabenste Idee gefunden worden? Ich meine: lediglich durch das tiefe Gefühl der sittlichen Verantwortlichkeit, namentlich durch das lebhafte Gefühl der Dankbarkeit gegen den, der das Volk aus Aegypten gezogen und demselben das Land geschenkt hat: nicht nur daß sie, die Männer Israels, dort Sklaven waren — nein, Aegypten, das Land der ungeheuren Bauten, war eben das Land der Gräber, und die Tempel galten dem Dienst der Thiere; es war eigentlich und wesentlich das Sklaven-Haus; die Völker Kanaans aber andrerseits waren üef in unnatürliche Sittenlosigkeit versunken. Gegen beides erhob sich derprophettsche Sinn, und dieser lehrte sie einen lebendigen Gott kennen, der Wasser und Land beherrscht, weil — er sie geschaffen hat; der Heiligkeit will, weil — er heilig ist; der Geist ist, weil nur der Geist in Allgüte schafft. i) Allerdings entgeht mir nicht, daß schon Arnos (4,13), der um eine Generation älter als Hosea war, Gott preist als Bildner der (festen) Berge und Schöpfer des (ewig bewegten) Windes, der dem Menschen sagt, was derselbe denkt, der aus Dunkel Helle macht, und über die Höhen der Erde wällt, Ewiger, Gott der Schaaren ist sein Name.