Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Weh seiner Glaubensgenossen in formvollendeten Liedern beklagend. L eo W i en er hat diese ins Englische übertragen und mit einem Wörterbuch versehen herausgegeben. Die Erscheinung dieses Poeten und seiner „Songs of the Ghetto“ hat in Amerika allgemeines Aussehen erregt. Vielleicht gehören auch hierher die jüdischen Melodien aus Galizien und Rußlands die G. Dal man gesammelt und ausgezeichnet hat. Es bleiben noch die hübschen, kulturhistorischen Bilder zu erwähnen, die S. Pseiser aus dem jüdischen Gemeindeleben zu Reckendorf gesammelt hat. Auch die Erzählung von Arnold Mann „Der Väter Schuld" verdient, da sie Probleme aus dem Leben der Zeit geschickt vorführt, ehrende Anerkennung. Natürlich haben die Fragen des Tages auch diesmal in der Litleratur eifrige Beachtung gefunden, aber wir müssen an ihnen rasch vorübergehen, ebensowohl an der Sache des Zionismus wie an der Frage des Sonntagsgottesdienstes und ähnlicher Zeitfragen. Keine einzige von den Schriften, die den Tageserscheinungen gewidmet sind, hat eine mehr als ephemere Bedeutung. Aus eine bisher nur zu wenig beobachtete Seite der großen „Judennoth" haben Leon Soloweitschik und S. R. Landau die allgemeine Ausmerksamkeit in ihren interessanten Schriften über das jüdische Proletariat vor allem in Rußland, Galizien und Polen, dann aber auch in allen anderen Kulturländern gelenkt. Den vielfachen Schäden innerhalb des modernen Judenthums hat L. Goldschmidt eine Betrachtung gewidmet, die aber ziemlich konfus ist und zu keinen: vernünftigen Endresultat gelangt. Eine Auseinandersetzung zwischen Judenthum und Christenthum hat G. Dalm an versucht; nicht ohne Wohlwollen und sicher mit der Absicht voller Objektivität. Daß sie uns trotzdem nicht befriedigen konnte, liegt aber weder an dem Verfasser noch an uns, sondern an der Verschiedenheit der Anschauungen, die in absehbarer Zeit wohl kaum zu beseitigen sein wird. Die Predigtlitteratur ist in diesem Jahre durch einen neuen Band von M. Joel 's tiefsinnigen und geistvollen Reden bereichert worden. Auch die Sabbaihpredigten, die aus dem Nachlaß des leider viel zu früh verstorbenen Nehemias Brüll erschienen sind, werden jüngeren Rednern als gutes Vorbild dienen können. Die Predigt im modernen Sinne ist durch