Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5658
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 13)
- Language
- German
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17 Pherekydes heißt der Elende — hatte die Keckheit, in voller Kammersitzung die Juden als die Urheber der Unruhen anzuklagen. Die Geschworenen von Bukarest zeigten sich chres Patrons würdig, indem sie die verhafteten Räuber freisprachen und noch eine Geldsammlung zu deren Belohnung veranstalteten! So sieht es in diesem barbarischen Lande mit seiner verderbten, schmutzigen Pseudo-Civilisation aus! — Ebenso haben Regierung und Kammern die Juden von allen Schulen ausgeschlossen. Die edle Baronin Hirsch sncht nach Möglichkeit diesem Pharaonischen Seelenmorde vorzubeugen, indem sie aus eigenen Mitteln Schulen aller Art für die Juden anlegt oder unterstützt. Glücklicher Weise ahmen die beiden anderen christlichen Balkanstaaten, Serbien und Bulgarien, Rumäniens Beispiel nicht nach. Die Juden sind dort ihren christlichen Mitbürgern gleichberechtigt. Die Versuche, das Märchen des Ritualmordes nach Bulgarien zu verpflanzen und unter diesem schändlichen Vorwände die Juden zu beunruhigen, sind von der dortigen Regierung im Keime erstickt worden. Unter den mohammedanischen Reichen ist nur in der Türkei Gerechtigkeit und Güte für die Juden zu finden, die sich auch in neuester Zeit wieder als treue und patriotische Unterthanen der Pforte bewährt haben. Der Sultan von Marokko hat zwar milde und gerechte Behandlung der Juden anbefohlen, aber seine Statthalter und Richter kehren sich daran nicht, plündern und mißhandeln die Wehrlosen, wie es ihnen beliebt. Zumal an Marokkos Westgrenze haben die algerischen Vorgänge chre natürlichen Nachspiele gehabt. Noch ttauriger ist die Lage der Juden in Persien, da sie hier nicht nur einzelnen Akten der Tyrannei ausgesetzt sind, sondern alle unter stetem schweren Druck leben. Die rohe schiitische Geistlichkeit hatte ihnen als entehrendes Abzeichen einen rochen Lappen aufgezwungen, defsen Anblick nur allzu häufig das Zeichen zu Gewaltthat, ja Mord gab. Auf Einwirkung der französischen und der englischen Regierung hat der Schah das Tragen dieses Abzeichens untersagt. Aber was hilftts? Der Befehl des Herrschers wird von der verfolgungssüchtigen Geistlichkeit nicht lange geachtet werden. Es ist kein stohes Bild, das wir hier entrollt haben.