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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 260

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
260 (sequence 33)
Language
German
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IRI
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260 zu haben. Denke Dir nur: er spricht es aus, daß der Söhre des Fürsten Sejmowicz, Dein Schulkamerad, mit dem Du. immer als Freund und Bruder gelebt, daß der Sohn dieses Edelmannes mit geplündert und Rahel den Schmuck geraubt.. Alle meine Entgegnungen waren umsonst. Die Angst, die ihn einmal befallen, malt ihm solche Bilder vor, die ihn immer umschweben, worüber ich mich tief gräme. Ein Haus läßt sich wieder bauen und für den zertrümmerten Hausrath Ersatz finden; daß aber Dein Vater dem Zeitgeist sich so ganz entfremdet hat, das betrübt mich auf's äußerste. Darum bleibe Du fest, mein Sohn! laß Dir nicht beikommen, wieder krebsartig rückwärts zu gehen, das darf ein Mensch von Bildung nicht. Sei selber stark und suche auch dem Vater mehr Kraft zu geben, vielleicht siehst Du bald ihn und uns alle, denn wir wollen die Stadt verlassen, bis unser Haus wieder aufgebaut ist. Dein Vater sehnt sich nach dem Auslande, denn plötzlich ist ihm sein einst so geliebtes Heimathland zum Abscheu geworden. Ich und Deine Schwester wollen in die Residenz und Dich aufsuchen. Schreibe ihm, ersuche ihn hinzukommen, und zeige jedermann, daß Du mein Sohn bist. Deine Dich liebende Mutter." „Das nenne ich Weisheit! Welch ein Weib! Ihre Seelenstärke übertrifft weit die des Vaters! Der Talmud hat in der Jugend sie nicht fanatisch gemacht, darum ist ihr Herz voll Muth und Kraft. Wie edel denkt sie! Ganz richtig, ein böser Zufall war's; ein schlimmer Geist ist über das Land gekommen, davon es bald befreit sein wird. Fiel ihm auch mein. Vaterhaus zum Opfer, soll es darum aus sein mit der Bildung und dem Ruhme unseres Zeitalters? O wärst du hier, Mutter! wie wollt' ich dich küssen, als wahre Lehrerin! Du hast Geist und Muth und hast mir etwas davon mitgetheilt. Alle sollen es auch nach deinem Wunsche sehen, daß ich dem Sohn bin, geistig wie leiblich!" Dieser Brief belebte ihn wieder, daß er abermals Zimmer und Einrichtung vergaß, es nach allen Dimensionen durchschritt, die Geschirre von dev Stelle rückte — und plötzlich erschrak er, wie ein beim Einbruch Ertappter. Es pochte an die Thür; sogleich dachte ev an die Hausftau, stellte diä° Sessel wieder dahin, wo sie gestanden, ebnete den Teppich aus der Diele, und zog sein

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