Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 32 (sequence 20)
- Language
- German
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— 32 — zumal gerade das Berichtsjahr auf diesem Gebiete nichts Neues von Bedeutung gebracht hat. Der allgemeine Ueberblick ist nach all dem Vorgeführten kein unerfreulicher. Sehen wir auch keine „neuen Sonnenaare" fliegen,' so erblicken wir doch tausend fleißige Hände, die sich geschäftig regen, um den Bau nach allen Seiten hin auszuführen und auszuschmücken. Auf allen Gebieten der Wissenschaft des Judenthums zeigt sich wieder reger Eifer, frische Thatkraft. Daß einzelne mehr bevorzugt, andere über Gebühr vernachlässigt werden, kann man bedauern, aber nicht ändern. In der Republik des Geistes herrscht nur ein Gebot: Arbeite. Was einer arbeitet und auf welchem Gebiete, das ist seine Sache. Aber noch eins gilt doch auch in dieser Republik: Man muß dort, um seiner Wissenschaft Ansehen und sich selbst Geltung zu verschaffen, so arbeiten, wie es die obersten Gesetze der Wissenschaft überhaupt fordern. Nur zu oft ist in unserm Lager dieses Grundgesetz übersehen oder außer Acht gelassen worden und nicht zum geringsten Theile rührt daher die Mißachtung oder Geringschätzung, mit der man in gewissen Kreisen die „jüdische Wissenschaft" noch immer behandelt. An unfern Gelehrten ist es aber, die Gleichstellung der Wissenschaft des Judenthums durch philologische Schulung, methodisches Forschen, durch gleichmäßig gebildete Darstellung sich allmählich zu erzwingen. Viel ist schon geschehen und auch an guten Vorbildem fehlt es keineswegs in unserer eigenen Literatur. Es gilt nun, diesen Vorbildem eifrig nachzustreben und so der Wissenschaft des Judenthunis den gleichberechtigten Platz im Kreise aller Wissenschaften einzuräumen, den sie ersehnt und erheischt, der ihr gebührt und der ihr zu ihrem, wie zu ftemdem Schaden nur zu lange vorenthalten wurde.