Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 die L. Goldschmidt muthig übernommen hat, liegt der erste Band fertig vor; eine mehr als schwierige Aufgabe für einen Autor, der sich die Doppelaufgabe gestellt hat, sowohl einen guten, kritisch gesäuberten Text als auch eine gute Uebersetzung und Erläuterung zu geben. Kein Wunder, daß dieses Unternehmen als ein gewagtes angesehen und auch von fachkundiger Seite vielfach angegriffen wird. Seiner Realencyklopädie für Bibel und Talmud hat I. Hamburger auch in diesem Jahre einen neuen, den vierten Supplementband mit interessanten Einzelartikeln folgen lassen. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen aus diesem Gebiete sind die Randnoten zu den beiden Talmuden (Hagaot) von I. Z. Dünner, deren zweiter Band innerhalb dieses Jahres ausgegcben wurde. Der Verfasser schlägt einen ganz neuen Weg zur Erklärung der Halacha ein, nämlich den historisch-kritischen. Das ist ein Freimuth, der bei einem Manne, welcher in religiöser Beziehung sonst auf der äußersten Rechten steht, natürlich in beiden Lagern nicht geringes Erstaunen hervorgerufen hat. Dünner unterläßt es selbstverständlich, aus seinen Forschungen die praktischen Konsequenzen zu ziehen, aber er wird es kaum verhindern können, daß Andere diesen Versuch machen. Jedenfalls zeugen seine Forschungen von einem ungewöhnlichen Wissen und einem ebenso ungewöhnlichen Scharfsinn. Eine bestimmte Form der talmudischen Dialektik hat Adolf Schwarz, dem wir schon manche werthvolle Arbeit auf diesem Gebiete danken, in seiner gelehrten Schrift: Die hermoneutische Analogie in der talmudischen Literatur" erklärt, nämlich die allen Kennern des Talmuds wohlbekannte G-esera schawa. Eine nicht weniger wichtige Parthie des talmudischen Rechts hat Moses Bloch erörtert, nämlich das mosaisch-talmudische Besitzrecht, das eigentlich in der Bibel nur angedeutet und erst im Talmud mit bewundernswerther Consequenz ausgeführt ist. Das Buch von Amram: Mrs law of diworce ist mir nicht bekannt. Es muß bei dieser Gelegenheit Klage darüber geführt werden, daß die Werke der jüdischen Literatur in England und Amerika so schwer zugänglich und daß dadurch die innige Verbindung, welche zwischen diesen Ländern und dem Stammlande der Wissenschaft des Judenthums bisher bestanden, wesentlich gestört wird. Ein Wörterbuch der talmudischen