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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 10

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Jahresrückblick
Date
1898-01-01
Page
10 (sequence 8)
Language
German
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10 auch von eigentlichen Verfolgungen ziemlich still geworden ist, so ergötzen sich doch die Judenfeinde an Ertheilung schärferer Gesetze, die die geistige Ausbildung und die Erwerbsthätigkeit der Israeliten mehr und mehr einschränken. Es ist sehr traurig, daß das vorgeschrittenste und zukunftsreichste Volk jener Gegenden durch Neid und Mangel an Selbstvertrauen sich dauernd zu so kulturfeindlichen Maßregeln fortreißen läßt. Dagegen erweist der Sultan seinen treuen und fleißigen jüdischen Unterthanen fortgesetzt Gerechtigkeit und Gunst. Deshalb haben jene auch während des diesjährigen griechischen Krieges in Patriotismus und begeistertem Opfermuth mit den Mohammedanern gewetteifert und zahlreiche Freiwillige zum tapferen türkischen Heere gestellt. In derjenigen osmanischen Provinz, die unserm Herzen so nahe steht, in Palästina, haben die jüdischen Ackerbaukolonien sich auch in jüngster Zeit kräftig fortentwickelt. Man weiß, wie infolge der vorjährigen Ausstellung in Berlin eine regelmäßige Ausfuhr landwirthschaftlicher Erzeugnisse dieser Kolonie, zumal von Wein, sich nach der deutschen Hauptstadt herausgebildet hat. Anders leider sind die Zustände in den beiden weiteren mohammedanischen Hauptreichen, in Persien und Marokko. Hier verhängt islamitischer Fanatismus über die unglücklichen Israeliten kränkendste Mißhandlung und blutige Verfolgung. Die Regierungen dieser Länder sind zu gleichgiltig und zu schwach, um solchen Schändlichkeitn zu steuern. Wann werden die Kulturstaaten Europas dieser Mißwirthschaft ein Ende machen? Berauben doch die marokkanischen Küstenbewohner ganz ungescheut die europäischen Schiffe und die eisen- und kanonenstarrenden Kriegsgeschwader, die den abendländischen Völkern jährlich ungezählte Millionen kosten, thun nicht das mindeste, um die schändlichen Piraten zu züchtigen. Das wichtigste Land für die Juden ist zweifellos Rußland, wo ungefähr die Hälfte von ihnen ihren Wohnsitz hat. Die Politik Alexanders III.. führte bekanntlich dahin, diese vier Millionen Unglückliche wie schädliches Gewürm in engsten Raum einzuschließen, sie damit in ihrer ungeheuren Mehrzahl aller menschlichen Lebensbedingungen zu berauben nnd zu dem furchtbarsten Kampfe um das Dasein zu verdammen, der ihre materielle und moralische Kraft zugleich ersticken mußte. Der neue Zar Nikolaus II. hat noch nichts Wesentliches gethan, ihr Loos zu erleichtern. Jndeß er hegt offenbar menschlichere

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