Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Briefe Chaim Weizmanns
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 167 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen verändert — als persönliches und Zeitdokument — wieder. I. Hotel de Cologne. Paris, 8. 10. 1903. Mein lieber Martin! Ich fahre heute von hier nach London. Vieles kann man hier nicht erfahren. Nordau, Marmorek schwanken sehr in ihrer Stellung zur Oslafrika-Frage. Soviel ist aber sicher, daß die ganze Affäre eine Erschütterung erlitt in England selbst, und es ist kaum zu hoffen, daß aus der Sache was wird. Die Regierang und öffentliche Meinung sind gegen uns. ICA wird nicht ganz gehen — sehr bedingt jedenfalls. Sokolow sagte mir (er sah alle Geheimakten), daß es nicht einmal wert war, „nein" zu sagen1), alles ist aufgeblasen. Auch Nordau, Marmorek kneifen den Schwanz ein. Die Ferialkurse sind natürlich judaistische ganz in dem Sinne der Vorschläge für die allgemeine Abteilung. Ich denke sie nächsten Sommer in Zürich. Die Themata müssen noch genau festgesetzt werden. Ich habe hier Sokolow, Nordau und Professor I. Halevy gewonnen. Wir müssen einige Namen ersten Ranges haben, ich denke an Oppenheimer, Cohen aus Marburg, Stein aus Bern, dann noch einige, Errera, Jacobs, Gaster etc. Dann einige jüngere Herren: Du, Neumark usw. Ich bin überzeugt, unsere Sache gewinnt außerordentlich dadurch. Ich fasse es auf als riesiges Agitationsmittel für die Hochschule, für die Idee, für den Zionismus. "Wir müssen schon davon sprechen, wie von einem Fait accompli und sofort ein gutes Memorandum darüber aufsetzen. *) Anspielung auf die namentliche Abstimmung beim, VI. Zionistenkongress. Ich bitte Dich, Martinchen, mache es und schick's mir nach Genf. Ich kann das nicht schreiben. Ich schlage Dir vor, in diesem Memorandum die ganze Frage der Kurse nur vom Standpunkte der Vorbereitung für die Hochschule zu behandeln — nichts über Zionismus dort zu schreiben — da wir das Memorandum für weite Kreise brauchen, nichts über die lebendige jüdische Wissenschaft, über aktuelle Fragen im Judentum (Kolonisation, Emigration, Statistik) hereinbringen. Ich bitte Dich, lieber Martin, mache es mir unbedingt, damit ich sofort nach Ankunft in Genf die ganze Geldfrage und organisatorische Sache einleiten kann. — Dann, kannst Du vielleicht dafür einige Herren in Wien gewinnen? Schreibe mir umgehendst nach London. Ich hoffe durch diese Affäre unsere Hochschulsache herauszureißen. Gestern war beim Czaren eine jüdische Deputation. Noch ist nichts bekannt darüber, was sie dort ausgerichtet hat. Von London gehe ich über Brüssel nach Haus. Nun lebwohl. Schreibe mir sofort, ich bitte auch, schreib die Broschüre. Von Told habe ich gar nichts. In Treue Dein Chaim IL Vertraulichst. London, 13. X. 03. Mein lieber Martin! So viel hatte ich zu tun, daß es mir fast unmöglich war, an Dich zu schreiben. Auch jetzt ist die Fülle von Eindrücken so überwältigend, daß ich Dir nur eine Skizze davon geben kann, was ich erlebt und erreicht habe. 167