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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Eine religionssoziologische Linie
Date
1928-01-01
Page
152 (sequence 6)
Language
German
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Nathan Birnbaum und mehr sich regen und dehnen und weiten. In doppelter Weise, heides auch zueinander hinlangend, hat er sich gestaltet: in dem Verlangen nach der alten Erez, dem alten Diesseits mit seiner Unmittelbarkeit und Gegenwärtigkeit des Bodens, seinem Geheimnisvollen, seiner Kraft und seiner Poesie, und in dem Verlangen nach dem ewigen Olam, dem großen Zuge zum Jenseits mit seiner Gegenwärtigkeit, seinem Geheimnisvollen, seiner Kraft und seiner Poesie. In der Zeit, die so es sucht, leben wir heute. NATHAN BIRNBAUM jäufi? etnfamkett in ©infamfteit Sprecht mir nicht vom ewigen Werden, als würde es ewig von seiher! Wie sollte es, da alles Gewordene endlich ist und Endlichkeit und Ewigkeit nicht im Selben beschlossen sein können? Sprecht vom ewigen Wirker des Werdens, der das ewige ruhende Sein ist und doch der ewige Beweger der Welt! Sprecht von dem Ur-Einsamen über den Sternen, Strahlen und Wellen, die er durch die unendlichen Räume sendet, über der Erde, die er schichtet und furcht, über den Meeren, die er hebt und senkt, über seinem Wunderbarsten, das da Leben heißt und über dem größten Wunder innerhalb dieses Wunderbarsten, Analogon des Tiers und sein Widerspruch, — dem Menschen. * Nennt mir den Menschen nicht Genossen des Tiers! Auch nicht ein politisches Tier! Fragt nicht die Naturwissenschaft, fragt nicht Aristoteles, fragt die Heilige Schrift! Wie Gott einsam ist über dem Weltenwerden, das er sinnt und treibt, so ist inmitten dieses Weltenwerdens einsam der Mensch. Und das ist sein Vorzug vor dem Tiere. Denkt euch den Menschen weg aus dem Reiche des Lebens! Wer wäre dann da, um die Welt zu durchforschen, wer erst, um Gott zu erkennen, wer selbst, um Gottes Dasein zu leugnen, so wie der Mensch, — der selbst leugnend dieses Dasein und sein ewigkeitenweites Anderssein als das Tier bestätigt? Wer wäre da, um Gottes Gebote zu empfangen; wer, vor ihm anzubeten, vor seiner Ur-Einsamkeit zu erstarren und zu erglühen, so wie der Mensch — der einsame Zeuge Gottes? * Seht, es ist eine Gegenseitigkeit zwischen Gott und dem Menschen! 152

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