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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 109

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Das Gespräch
Date
1928-01-01
Page
109 (sequence 9)
Language
German
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Das Gespräch Aber das Gespräch, das Schleiermacher vernehmen lehrt und das seinen Ursprung hat, wo er es noch nicht vernimmt, im Beginn allen Gespräches, es endet nicht da, wo sein Wille, es zu vernehmen, erlahmt. Er hat, weil er der Begegnung mit dem lebendigen Judentum ausweichen wollte, selber seine hohen Ahnungen um ihre Vollendung betrogen. Nur wer von dem Fortgang jenes großen Gespräches sein Ohr nicht abwendet, wer seine Dauer in die Gegenwart hinein wahrzunehmen nicht scheut, wird seine Fülle in der Vergangenheit wahrzunehmen vermögen. MAX BR OD Zur ^roblemattft btö äSäfen unD bt& 3&itual£ Das Folgende ist eine Auswahl von Notizbuchblättern. Gedanken die sich nicht einordnen wollen, die dem Moment entspringen und deren Weiterentwicklung manchmal erst nach Jahren und in ungeahnter Richtung erfolgt, halte ich zunächst auf kleinen Papieren fest. In diesen Zetteln wiederholt sich sehr oft der Name: Buber. Eine Art Diskussion mit einem unsichtbaren Partner, ein Gespräch ohne Ende, glücklicherweise manchmal unterbrochen durch leibhaftiges Auftauchen Bubers, durch sichtbare Gegenwart des verehrten Mannes — sei es als Person, sei es als Buch. Zuletzt sprachen wir im Prager Baumgarten miteinander. Buber fand, daß ich mit besonderer Konsequenz und eigentlich als einziger heute dem Problem des „Bösen" nachginge. Er sprach von meinen Romanen „Franzi", „Leben mit einer Göttin", „Reubeni". Sein Einwand: man dürfe nicht etwa willentlich das Böse in sein Leben aufnehmen, sondern das Böse komme ganz von selbst, — man möge sich dagegen wehren und immer nur Reinheit wollen, — die Unreinheit mit Reinheit durchdringen. Das Resultat sei dann wohl eine Durchdringung der beiden Elemente, doch dürfe das Resultat nicht antizipiert werden, indem man von vornherein zum Bösen „ja" sage. Im Geleitwort zur Gesamtausgabe der Chassidischen Bücher findet sich nun Ähnliches gesagt: „In all dem schwingen Funken, die vom Menschen erlöst werden wollen. Nichts ist ja an sich unheilig, nichts an sich böse; was wir das Böse nennen, ist nur das richtungslose Stürzen und Stürmen der erlösungsbedürftigen Funken, die „Leidenschaft46 — also ebendieselbe Kraft, die, wenn sie mit Richtung, der einen Richtung, begabt worden ist, das in Wahrheit Gute, den wahren Dienst, die Heiligung hervorbringt." Wie aber, wenn gerade in diesem „Richtungslosen", Chaotischen 109

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