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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 69

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk
Date
1928-01-01
Page
69 (sequence 12)
Language
German
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Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk existiert, will er durch Erziehung des Bewußtseins zu erreichen suchen. Alle Dinge und alle Geschehnisse der Erdoberfläche fügt er in Systeme zusammen und gibt sie der Jugend, die er erzieht, als Speise. Der Fluch dieser bürgerlichen Erziehung ist es, daß sie tausend Dinge in verwirrender Menge an das Bewußtsein der Jugend heranträgt, daß sie Interesse für alle Wertgebiete im Jugendlichen erwecken will, ohne einzusehen: an den Kern, an die entscheidende Instanz im Seelenleben, reicht nur sehr wenig heran. Das meiste findet zur Bildung der äußeren Schichten der Seele seine Verwendung. Diese Schale aus Bildung und Anstand, aus Wissenschaft und Kunst, mit der der Bürger sein Kind umgibt, ist oft wunderschön und in allen Farben schillernd — aber sie ist doch immerhin nur Schale. Was aber will der Kern unseres Unbewußten, der einzig und allein darüber entscheidet, welches Erziehungsgut bleibt außen und welches gelangt in das Innere hinein? Die Antwort, die gegeben wird, ist eine ganz einfache: Das Unbewußte hält in seiner Erinnerung fest, was das bewußte Ich längst vergessen zu haben schien: das eine Urerlebnis der Verbundenheit, einmal Kind einer Mutter und eines Vaters gewesen zu sein. Nur eine Erziehung, die an dieses Urerlebnis anknüpft^ welche die Liebe, den Trieb des jungen Menschen nach Verbundenheit, auf Wesenheiten lenkt, die ihm Mutter- und Vater-Imago sein können, wird dem Menschen die Verfestigung in der Welt geben, nach der der Nichtbürger sich sehnt. Hier hilft kein Prahlen mit Erwachsensein; wenn es einmal ganz ernst wird, im Augenblick der allerletzten Entscheidungen, pflegen wir schnell die „neue Sachlichkeit", mit der wir uns nach außen umgeben haben, zu verlieren und benehmen uns ja doch wie Kinder. „Denn mit dem Erwachsensein ist es solch eine Sache," sagt Groddek im „Buch vom Es", „man ist es selten, nur auf der Oberfläche, spielt es nur, wie das Kind auch Großsein spielt. Sobald wir tief leben, sind wir Kind." ERICH HIRSCHBERG Von fuDtfcöem %t\)xtvtum in unttttt %txt Was sich unter der Bezeichnung jüdischer Unterricht verbirgt, stammt aus sehr verschiedenen Gebieten jüdischer Lehre. Religionslehre, Geschichtskunde, Sprachlehre sind ihre Hauptgegenstände. Wer sich lehrend für sie^ einsetzt, trifft auf Widerstände, die ande- 69

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