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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 59

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk
Date
1928-01-01
Page
59 (sequence 2)
Language
German
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Über die erzieherischen Kräfte von Erde und Volk stellte, an kein Du gebundene Mensch der heutigen Zeit sich befindet. „Was uns zur Erfahrung des Dusagens bringt, ist nicht mehr der Urhebertrieb, es ist der Trieb nach Verbundenheit . . . Das Kind, das, halb geschlossener Augen daliegend mit ausgespannter Seele harrt, daß die Mutter es anspreche ... es geht darauf, im Angesicht der einsamen Nacht, die hinterm Fenster sich breitet und einzudringen droht, die Verbundenheit zu erfahren.'* Nur eine Erziehung, die den Menschen aus seiner Einsamkeit befreit und ihm wieder durch die Verbundenheit mit einer höheren Einheit das Gefühl der Geborgenheit gibt — wie das Kind sie bei der Mutter spürt —, kann allen Trieben im Menschen gerecht werden, und auf eine solche Erziehung sollen wir uns vorbereiten. Zwei Fragen fordern Beantwortung. Zuerst müssen wir uns die Frage vorlegen, ob denn dieser Trieb nach Verbundenheit ein so allgemein menschlicher Trieb sei, daß man sich das Recht nehmen könnte, sein Vorhandensein bei jedem Menschen schlechthin vorauszusetzen. Vielleicht gehört er zu den Trieben, die nur der Kreis der religiösen Menschen spürt, und derjenige, der von ihm vor anderen Menschen spricht, würde dem Menschen gleichen, der Blinden die Verschiedenheit der Farben zeigen möchte. Oder aber der Trieb ist allen Menschen gemeinsam, dir, mir und jedem, nur erscheint er uns manchmal in den verschiedensten Verkleidungen und Gestalten, so daß wir ihn nicht zu erkennen vermögen. Die zweite Frage würde lauten: Tausende von Juden setzen ihre Hoffnung darein, daß die in Palästina aufwachsenden Generationen sich in ihrem Typus von den im Galuth aufwachsenden wesentlich unterscheiden werden. Wozu sonst diese große Revolution des jüdischen Lebens, wenn man nicht die berechtigte Hoffnung hat, daß hier eine Jugend erzogen wird, die einmal alle Sehnsucht nach dem neuen jüdischen Menschen erfüllen wird? Auf was stützt sich diese Hoffnung? Es gilt hier, die erzieherischen Kräfte zu analysieren, welche die palästinensische Erde, das Leben und die Arbeit auf ihr im jüdischen Kinde erwecken, jene Kräfte aufzuweisen, die den Juden aus der Isoliertheit des bürgerlichen Menschen unserer Zeit hinausheben und ihn wieder in die Verbundenheit in dem oben genannten Sinn einstellen. 2. Um den menschlichen Trieb nach Verbundenheit bis in seine ersten Manifestationen zurückverfolgen zu können, um den Charakter des schlechthin Menschlichen in ihm zu erkennen, müssen 59

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