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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 58

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Der Jude zwischen Orient und Okzident
Date
1928-01-01
Page
58 (sequence 7)
Language
German
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Siegfried Lehmann irische Einrichtung betrachtet, der wir in den kurzen Jahren unserer Existenz unser persönliches Wohl opfern müssen. Das sind einige der Charakterzüge, durch welche dieser so tief im heimatlichen Orient wurzelnde Orientale gleichzeitig imstande war, sich in der Atmosphäre des modernen Europa zu entfalten. Dies sind einige der Gründe, auf die zurückzuführen ist, daß es ihm so glänzend gelang. Aber der Jude wird nur dann sich selbst und den anderen nützlich bleiben, wenn er das Gleichgewicht der zwei Elemente in ihm, die sich zu seiner Kraft und seiner Erhaltung vereinigt haben, aufrechterhalten wird. Um diesen Preis, um diesen Preis allein, wird er an der Lösung des Problems mithelfen, das die Verwirrung unserer Zeitgenossen uns auferlegt. Wenn er sich selbst treu bleibt, wenn er der Lockung Babylons widersteht, wird der Jude nicht nur ein klarblickender Zeuge des Dramas der modernen Seele, sondern auch einer der Vermittler des europäischen Bewußtseins sein können. SIEGFRIED LEHMANN Über öie tx^iz^tiit^tn j&räfte bon ©rue unD ^olfe l. Es gibt heute keine andere Schrift, die das Problem der Erziehung in unserer Zeit in all seiner Tragik so kristallklar beleuchtet als Martin Bubers „Über das Erzieherische". Einer der wesentlichsten Gedanken dieser Schrift sei zum Ausgangspunkt der folgenden Untersuchung genommen. Buber sagt den in Heidelberg versammelten Erziehern, welche die „Entfaltung der schöpferischen Kräfte des Kindes" als die pädagogische Forderung der Zeit proklamierten, daß die Erfüllung dieser Forderung doch nur erst die Voraussetzung der Erziehung überhaupt sei, nicht mehr. Wäre der Mensch ein Reservoir, in dem alle Werte bereit lägen und nur auf ihre Befreiung warteten, dann müßte man an Stelle des alten Lehrers, der mit dem „Trichter" arbeitete, den Erzieher bringen müssen, der die „Pumpe" zu bedienen versteht. Gewiß ist unter den Trieben, die das Kind beherrschen, auch der Trieb, frei von allem Zwang schaffen und schöpfen, frei aus sich heraus etwas tun zu müssen — Buber nennt diesen Trieb im Kinde den Urhebertrieb —, aber eine Erziehung, die den Menschen nur als Urheber kennt, nicht als Diener, nur als Schöpfer, nicht als Geschöpf, macht ihn einsam; sie ändert im Grunde nichts an der schmerzlichen Vereinsamung, in der der ganz auf sein Ich ge- 58

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