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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 42

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Zum Problem der jüdischen öffentlichen Meinung
Date
1928-01-01
Page
42 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Ernst Simon Europa haben die Ständevertretungen einen Großteil der öffentlichen Meinung ausgedrückt, und nach Erfindung der Buchdruckerkunst schien die Presse aller Art beinahe mit ihr identisch zu werden. Aber doch nur beinahe: denn neben ihr üben Schauspiel und bildende Kunst, Predigt, Rede, Parlament, Radio, Kino und selbst Musik — man denke an die Erscheinung der Programmmusik — eine wesentliche Wirkung in ihrem Sinne aus. Ja, ganz neuerdings scheint die Bildwirkung wiederum, wie in früheren Zeiten, die Wortwirkung zurückzudrängen: die „Illustrierte" ist mächtiger als jede Zeitung, und keine Figur ist so bedeutungsvoll im täglichen Abwehrkampf gegen die antisemitische Gestalt des jüdischen Kriegsgewinnlers wie Rajfke, der nichtjüdische Kriegsgewinnler, bekanntlich eine Erfindung der „Berliner Illustrierten Zeitung". Freilich hätte er niemals so tiefe Wirkung üben und lebendiger als Stinnes, Thyssen, Krupp usw. werden können, wenn nicht seine symbolische Wirklichkeit sich aus zahllosen Vorbildern im tatsächlichen Leben speisen könnte. 2. Diese Vielgestaltigkeit der öffentlichen Meinung stellt die Aufgabe, ihrer Geschichte nachzugehen und sie in den verschiedensten Formen vergangenen Lebens als innersten Kern oder doch als einen der Inhalte zu entdecken. Hier nun beginnt sich der bisher einheitliche Begriff zu differenzieren, je nachdem die Geschichte welcher Gemeinschaft man behandelt. Für das Judentum ergeben sich zunächst folgende, durchaus vorläufige Bemerkungen. An den vier historischen Wendepunkten, die uns die biblische Geschichte berichtet, legt sie Wert darauf, das Volk selbst auf den Vordergrund der geschichtlichen Bühne treten zu lassen. Bevor Moses die Offenbarung empfängt, versichert er sich der Zustimmung der Gesamtheit, die ihm in den Worten wird: „Alles, was Er geredet hat, wollen wir tun". (Z. II. Buch Moses 19, 8.) Ist mit diesem Entschluß das jüdische Volk in der messianischen Sphäre begründet und als ein „Reich von Priestern" konstituiert, so soll nun die jüdische Geschichte den Versuch machen, diese Auserwähltheit hier auf Erden zu erproben und zu bewähren. Das mißlingt vorerst, als das Volk einen König mit der Begründung verlangt, zu sein wie alle anderen Völker (I. Sam., 8, 20), und Gott dem Propheten befiehlt, auf die Stimme des Volkes zu hören und ihm einen König zu geben, damit es vor dieser Erfahrung nicht bewahrt werde, sondern durch sie hin durchschreite und sie überwinde. Ganz wie dieser Anfang des israelitischen Königtums ist auch sein Ende als des einheitlichen Herrschers über das gesamte 42

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